Walmart ist der größte private Arbeitgeber weltweit und ist aus dem Einzelhandel in den Vereinigten Staaten kaum noch wegzudenken. Im Jahr 2016 brachte es der Konzern auf einen Umsatz von 485,9 Milliarden US-Dollar – was einen globalen Bestwert darstellte. Dennoch stellten die Investoren des Konzerns den Managern unangenehme Fragen. Denn im Online-Handel konnte der Konzern nicht richtig Fuß fassen. Während Amazon in diesem Bereich auf einen Marktanteil von 32 Prozent kam, musste Walmart sich mit mageren 2,6 Prozent begnügen. Der Vorstand entschloss sich daher zu einem Befreiungsschlag und kaufte die Plattform Jet.com für stolze 3,3 Milliarden Dollar. Das Ziel: Amazon angreifen und Marktanteile im Online-Handel erobern. Gleichzeitig wechselte zudem auch der CEO des gekauften Unternehmens, Marc Lore, zu Walmart und übernahm die Leitung des E-Commerce-Geschäfts in den USA.


Foto: Sven, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Amazon macht Gewinne und baut den Marktanteil aus

Inzwischen lässt sich allerdings sagen: Der große Angriff auf Amazon erwies sich als nur mäßig erfolgreich. Zwar stieg der Anteil von Walmart am US-Online-Handel auf 4,7 Prozent. Der von Jeff Bezos geführte Konkurrent konnte aber ebenfalls zulegen und kommt inzwischen auf einen Wert von 38 Prozent. Noch wichtiger allerdings: Amazon fährt – trotz hoher Investitionen – konstant Gewinne ein Das E-Commerce-Geschäft von Walmart hingegen macht massive Verluste. Alleine im vergangenen Jahr sollen rund eine Milliarde Dollar verbrannt worden sein. Dies blieb auch für Lore nicht ohne Folgen. Dieser hatte zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt, möglicherweise jeden Monat eine neue Online-Marke zukaufen zu wollen. Inzwischen wurde ihm aber signalisiert: Keine weiteren Zukäufe. Und: Mehr Fokus auf Profitabilität.

Die zugekauften Modemarken erwiesen sich als Flop

Sichtbar wird dies aktuell bei der Modemarke Bonobos, die Walmart vor zwei Jahren für 310 Millionen Dollar kaufte. Dort wurde nun ein Sparprogramm aufgelegt, das unter anderem die Entlassung von Dutzenden Mitarbeitern zur Folge hatte. Bei der Fashionbrand ModCloth zog der Konzern kürzlich sogar ganz die Notbremse: Nach zwei verlustreichen Jahren wurde das Label für unterhalb des Einkaufspreises wieder abgegeben. Damit kann die ursprüngliche Strategie von Lore als gescheitert gelten. Er wollte durch den Zukauf der Marken exklusive Produkte auf die eigene Plattform holen und sich so von Amazon abheben. Nun muss er diesen Weg auf mühsamere Art und Weise beschreiten: Zukünftig sollen verstärkt eigene Marken entwickelt werden – darunter eine neue Matratzenfirma namens Allswell. Diese Strategie verfolgen allerdings so gut wie alle Online-Händler. Es handelt sich also nicht um ein Alleinstellungsmerkmal.


Spannungen innerhalb des Konzerns

Innerhalb des Walmart-Konzerns gibt es zudem immer mehr Kritik an Lore. Denn die Manager, die für den profitablen Einzelhandel in der Fläche zuständig sind, sehen die Ausflüge in das reine E-Commerce-Geschäft kritisch. Sie würden das Geld lieber für Projekte nutzen, die näher am Kerngeschäft liegen. So wurde bereits vor der Ankunft Lores die Möglichkeit etabliert, Waren online zu bestellen und dann in einem der Walmart-Läden abzuholen. Außerdem soll der Online-Handel mit Lebensmitteln ausgebaut werden. Hier hat Amazon bei weitem noch nicht so eine starke Marktposition und ist leichter angreifbar. Letztlich will sich der Konzern aber vor allem vom klassischen Mantra der Startup-Welt verabschieden: Wachstum um jeden Preis wird es bei Walmart im Online-Geschäft zukünftig nicht mehr geben.

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