Wenn Stephen Hawking sprach, dann hörten die Menschen zu. Der Physiker gehört zu den wenigen Wissenschaftlern, die es zu weltweiten Ruhm brachten. In den 1960ern gaben Ärzte dem an ALS erkrankten Wissenschaftler noch zwei Jahre zu leben. Dass er nun erst in der Nacht zum heutigen Mittwoch mit 76 Jahren starb, ist bereits eine Leistung für sich. Doch Stephen Hawking war ein Mensch, der sich von seiner Krankheit nicht ausbremsen ließ. Obwohl er jahrzehntelang in einen Rollstuhl gefesselt und auf einen Sprachcomputer angewiesen war, vollbrachte er wissenschaftliche Leistungen, für die er auch weit abseits der Wissenschafts-Community Anerkennung erhielt.


Bild: Mitchell Toy, @mitchelltoy

Einer der populärsten Wissenschaftler der Gegenwart

Eine der bedeutendsten Leistungen von Stephen Hawking war seine Voraussage Anfang der 70er-Jahre, dass Schwarze Löcher unter bestimmten Umständen Energie verlieren können und somit keine Endstationen sind, sondern bei langsamen Verdampfen in Folge der Quantenphysik Strahlen absondern. Diese sogenannte Hawking-Strahlung konnte bis heute noch nicht nachgewiesen werden – ihre Existenz ist weiterhin umstritten.

Zu einer Lebensaufgabe wurde sein Versuch, Einsteins Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und damit eine Art „Weltformel“ zu finden. „Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen. Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert“, so Hawking einmal.


Weltweite Popularität auch in Laienkreisen erreichte Hawking spätestens mit der Veröffentlichung seines Buchs „Eine kurzer Geschichte der Zeit“ im Jahr 1988. Außerdem war Hawking bekannt für seinen Humor. Als er Ende der 70er auf den legendären Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge berufen wurde, den in der Vergangenheit auch Isaac Newton innehatte, kommentierte Hawking dies wie folgt: „Ich sitze hier auf Newtons Lehrstuhl. Aber dieser Stuhl hat sich offensichtlich stark verändert – er wird jetzt elektrisch betrieben.

Seine wissenschafltichen Leistungen waren nicht unumstritten

Hawking war sicherlich einer der bekanntesten lebenden Forscher seiner Zeit. Seine wissenschaftlichen Leistungen indes waren nicht unbestritten. Stephen Hawkings Ideen zeugten zwar stets von großer wissenschaftlicher Kreativität, hatten aber auch immer eine sehr verwaschene Linie zwischen empirisch gestützten Theorien und philosophischer Spekulation – eine Trennungsunschärfe, die in der Kosmologie allerdings zum Tagesgeschäft gehört.

Hawking wusste sehr wohl, dass sein Erfolg nicht nur auf dem wissenschaftlichen Gehalt seiner Arbeiten beruhte. Über „Eine kurze Geschichte der Zeit“ sagte er einmal: „Wahrscheinlich hat meine Behinderung zum Verkaufserfolg des Buches beigetragen. Wenn dem so ist, finde ich das bedauerlich.“ Die symbolische Bedeutung als Mann, der nicht mehr ohne Hilfe schreiben oder kommunizieren konnte, in seinem Kopf aber zu den Sternen reiste, hat Hawking nie wirklich behagt.

Die Tatsache, dass seine Theorien empirisch kaum zu fassen waren, ist auch der Grund, warum Hawking niemals den Nobelpreis erhielt.

Hawking als Mahner

In den letzten Jahren seines Lebens wurde Stephen Hawking immer mehr zu einem Menschen, der Warnungen aussprach. Er warnte vor dem Aussterben der Menschheit, vor Roboternund vor künstlicher Intelligenz. Er kritisierte den Umgang des Menschen mit der Erde und sah die Übersiedlung auf andere Himmelskörper langfristig als einzige Lösung an. Und dennoch war Hawking kein Pessimist. Menschen, die ihm persönlich begegneten, charakterisierten ihn als schlagfertig und immer bereit für einen Scherz. Hawking hatte Gastauftritte bei den Simpsons und bei Star Trek, war auf einem Pink Floyd Album zu hören und spielte eine Rolle beim Comeback der britischen Comedy-Truppe Monty Python. Und auch in Bezug auf die Menschheit verlor Hawking nie die Hoffnung. „Das ist machbar. In Bezug auf die Spezies Mensch bin ich ein ungeheurer Optimist“ sagte er über seine Sorgen bezüglich der Menschheit und die Notwendigkeit eines Umdenkens.

Hawking glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod

Als Hawking mit 21 Jahren mit ALS diagnostiziert wurde, glaubte niemand, dass er besonders alt werden würde. Die Ärzte gaben ihm eine Lebenserwartung von zwei Jahren – ALS gilt bis heute als unheilbar. Als Hawking in der vergangenen Nacht starb, war er 76 Jahre alt.

Anders als berühmte Kollegen wie Albert Einstein kam Hawking bei seinen Theorien ohne einen Schöpfer aus und glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod. Hawking war ein Atheist, wie er im Buche steht. „Ich sehe das Gehirn als einen Computer an, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren. Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben“, erklärte er einmal.

Mit Steven Hawking haben wir in der vergangenen Nacht ein Ausnahmegenie und einen Visionär verloren, zu dessen großen Leistungen es nicht zuletzt auch gehörte, den Menschen zu zeigen, dass man niemals aufgeben und immer das tun sollte, was man liebt.

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