Ethanol im Dieselmotor? Klappt, wenn es sich um kleine Mengen handelt. Die ändern aber nichts an den Emissionen. Forscher an der Technischen Universität Wien wollten das nicht akzeptieren. Die bauten einen Dieselmotor so um, dass er beides schluckt, und zwar gleichzeitig. Der Ethanolanteil kann 70 Prozent erreichen, ohne dass der Motor stottert.


Die Folgen kommen der Umwelt zugute. Trotz einer Effizienzsteigerung um 6,1 Prozent ist in den Abgasen 39 Prozent weniger Kohlendioxid. Die Mengen an Feinstaub (Ruß) verringern sich um 99 Prozent, sodass mehr Abgas zurückgeführt werden kann als üblich. Das wiederum reduziert die Stickoxide, die den Diesel auf die Anklagebank gebracht haben, um 13 bis 36 Prozent. 

Bild: TU Wien

Diesel fungiert als flüssige Zündkerze

Das Team um Professor Bernhard Geringer vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik haben sich für ein Dual-Fuel-Verfahren entschieden, also einen Zweistoff-Motor. „Gezündet wird wie bei gewöhnlichen Motoren durch einen direkteingespritzten Dieselstrahl“, erklärt Geringer. „Zusätzlich wird bei unserem Modell aber zur Ansaugluft noch vor dem Motor der alkoholische Kraftstoff beigemischt.“ Beide Kraftstoffe verbrennen und bewegen den Kolben. Der Diesel wirke wie eine Zündkerze für das Bio-Ethanol, so Geringer.


Verzicht auf Diesel ist kaum machbar

„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass Bio-Ethanol erfolgreich als Ersatzkraftstoff in einem Dual-Fuel-Dieselmotor eingesetzt werden kann, und dass dieses Konzept der Umwelt erhebliche Vorteile bringt“, sagt Bernhard Geringer. „Auf Diesel-Motoren kann man in vielen Einsatzbereichen mittel- bis langfristig nicht verzichten, denken wir etwa an den Lkw-Verkehr oder an Traktoren.“ Dort habe die Elektromobilität ihre Grenzen. Mit der Dual-Fuel-Technologie könnte man gerade in diesen Bereichen die Nachhaltigkeit und das Emissionsverhalten deutlich verbessern.“

Ethanol ist allerdings nicht unumstritten, weil dieser Alkohol aus Pflanzen gewonnen wird, die essbar sind oder als Futtermittel genutzt werden. Sinnvoll wird die Verbrennung in Dieselmotoren erst dann, wenn Ethanol aus Bioabfällen gewonnen werden kann. Das geht, ist auch schon im großtechnischen Maßstab erprobt worden. Doch bisher ist es zu teuer.

via TU Wien

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