Bisher ist GPS der weltweit genutzte Standard in Sachen Satelliten-Navigation. Das System wird allerdings vom US-Militär betrieben, was zwei Nachteile mit sich bringt. Zum einen ist die Positionsbestimmung in der zivilen Variante vergleichsweise ungenau. Abweichungen von bis zu zehn Metern sind keine Seltenheit. Außerdem kann das US-Militär die Datenübermittlung noch immer jederzeit unterbrechen – etwa wenn dies für ein Militärmanöver notwendig ist. Die Europäische Union hat sich daher schon vor einigen Jahren entschlossen, ein eigenes Satellitensystem zu installieren. Inzwischen hat Galileo auch die Arbeit aufgenommen und die Daten können genutzt werden. Doch was als europäisches Gemeinschaftsprojekt begann, führt nun zu erbittertem Streit. Der Grund: Der Brexit und die damit verbundenen Folgen.


Bild: ESA

Großbritannien könnte Geld von der EU zurückfordern

Denn nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Union soll Großbritanniens Militär nicht mehr auf die sensiblen und auf den Zentimeter genauen Daten des Systems zugreifen können. Das Land könnte dann nur noch die ohnehin öffentlich verfügbare Version nutzen. Auf Seiten der Briten führt dies zu erheblichem Unmut – immerhin hat man sich bei dem Projekt viele Jahre lang erheblich engagiert. Eigenen Schätzungen zufolge hat Großbritannien im Laufe der Zeit rund eine Milliarde Euro in Galileo investiert. Dieses Geld soll nun zurückgefordert werden. Außerdem denkt die Regierung darüber nach, das Galileo-Projekt bewusst zu sabotieren. Dies wäre möglich, indem britischen Firmen der Export wichtiger Komponenten untersagt wird. Auch eine geplante Bodenstation auf den zu Großbritannien gehörenden Falkland-Inseln könnte zur Debatte stehen.

Der Aufbau eines eigenen Systems ist nicht gerade preiswert

Neben diesen eher destruktiven Maßnahmen setzt Großbritannien nun aber offensichtlich auch auf eine aktive eigene Politik. So sollen Medienberichten zufolge noch in dieser Woche die ersten Schritte in Richtung eines eigenen Satellitensystems verkündet werden. Das Finanzministerium hat zudem bereits 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe soll genutzt werden, um die Voraussetzungen und die Praktikabilität eines eigenen Navigationssystems genauer zu analysieren. Anschließend dürften noch einige Finanzspritzen mehr fällig werden. Experten gehen selbst im besten Fall von Kosten in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro aus. Hinzu kommen jährlich noch einmal 200 Millionen Euro für den Betrieb. Galileo aber war noch einmal deutlich teurer: Das europäische System hat inzwischen mehr als zehn Milliarden Euro verschlungen.


Via: Engadget

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