Im Vertrag von Paris beschloss die globale Gemeinschaft, aktiv und gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen. Was in der Theorie gut klingt, entpuppte sich in der Praxis zumindest als problematisch. Viele Ländern tun sich offenbar recht schwer damit, die für das Erreichen der im Vertrag von Paris deklarierten Klimaziele nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Auch Deutschland sticht bisher noch nicht durch besondere Erfolge hervor. Dass im Bereich Klimaschutz durchaus rapide Fortschritte möglich sind, zeigt das Beispiel von Großbritannien: Indem sie von Kohle auf Erdgas umschwenkten, gelang es den Briten, ihren CO2-Ausstoß innerhalb von nur einem Jahr drastisch zu senken.


Kohle
Foto: Coal power-plant and oilseed rape, martin, Flickr, CC BY-SA 2.0

Großbritannien macht es vor

Von 2015 auf 2016 gelang es Großbritannien, die CO2-Emissionen um sechs Prozent zu senken – das entspricht einer Einsparung von 400 Kilogramm CO2 pro Einwohner. Noch nie zuvor konnte Großbritannien seine CO2-Emissionen derart drastisch senken. „„Angesichts der Langlebigkeit der Energiesysteme und ihrer Trägheit ist diese Veränderungsrate bemerkenswert. Jede Möglichkeit, Emissionen innerhalb von Monaten statt Jahren so deutlich zu senken, verdient unsere Aufmerksamkeit„, so Grant Wilson von der University of Sheffield und Iain Staffell vom Imperial College London in einem Bericht.

Um die Einsparungen zu erreichen, waren keine großen Umbauten der Energieinfrastruktur nötig. Stattdessen wurde einfach der Schwerpunkt in der Stromproduktion verschoben: Bisher unausgelastete Gaskraftwerke wurden auf Vollast hochgefahren, währen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden konnten. „Die Kombination dieses Brennstoff-Wechsels mit der Stilllegung von Kohlekraftwerken hat den Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in nur vier Jahren um drei Viertel gesenkt. Im Jahr 2016 lieferte Kohle dadurch nur noch zehn Prozent des Stroms in Großbritannien„, so die Forscher weiter. Großbritannien konnte den Kohleanteil im Strommix so mehr senken als der Rest der EU zusammengerechnet.


CO2-Preise als Motivation

Die beiden Forscher benennen vier Faktoren, die für den Erfolg entscheidend waren. Zum ersten war es wichtig, dass die Gaskraftwerke bereits existierten und nur hochgefahren werden mussten. Außerdem muss eine Strominfrastruktur vorhanden sein, die den Wechsel des Strommixes auch verkraftet. Drittens identifizierten die Forscher einen großen Willen seitens der Politik, den Wechsel auch wirklich zu vollziehen.

Der letzte Faktor war aber der wichtigste: „Die primäre Triebkraft hinter dem Umstieg von Kohle auf Gas war ein erhöhter CO2-Preis„, erklärten die Forscher. 2013 führte die Regierung aus London den Carbon Price Support (CPS) ein, mit dem der Preis pro Tonne CO2 auf ein Minimum festlegte, das 2017 bei 18 Euro und somit um das Dreifache höher als in der restlichen EU lag. Durch diese Maßnahme wurde die Stromproduktion mit Erdgas genauso teuer oder sogar günstiger wie der mit Kohle. Der Strompreis stieg im Jahr 2016 dabei kaum. Lediglich 0,7 Pence pro Kilowattstunde wurden mehr fällig, was einem Anstieg von fünf Prozent entspricht. Dem gegenüber stehen eine Reduktion der CO2-Emissionen im Stromsektor um sagenhafte 25 Prozent in nur einem Jahr.

Auch Deutschland könnte handeln

Das Vorgehen von Großbritannien könnte zum Vorbild für andere Länder werden. Theoretisch wäre so ein Umstieg nämlich auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten möglich. Auch Deutschland gehört dazu. Auch hierzulande gibt es zahlreiche Gaskraftwerke, die kaum genutzt werden und noch diverse Kapazitäten bieten. Eine 80-prozentige Auslastung der deutschen Gaskraftwerke würde im Jahr zusätzlich 155 Terawattstunden Strom bereitstellen, was Steinkohle in der Stromproduktion komplett überflüssig machen und zusätzlich 40 Prozent der Braunkohle ersetzen könnte. Deutschland könnte so 62 Megatonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen.

Problematisch wäre lediglich, dass Deutschland in Sachen Erdgas weitestgehend von Importen abhängig ist. Da das jedoch für Steinkohle ebenso gilt, handelt es sich nur im einen kleinen Haken. Die Forscher identifizieren die Braunkohle-Lobby als entscheidenden Faktor, der einem Umschwung im Weg steht.

Es muss aber auch beachtet werden, dass eine derartige Maßnahme immer nur eine Zwischenlösung sein kann. Langfristig müssen alternative Energiequellen wie erneuerbare Energien oder sogar – eines Tages – Fusionsenergie erschlossen werden, um die CO2-Emissionen zu senken. Ein Umschwung auf Erdgas in der Stromproduktion wäre aber eine Möglichkeit, die jährlichen CO2-Emissionen mit wenig Aufwand drastisch zu senken und einen Puffer zu schaffen, in dessem Schutz langfristigere Maßnahmen umgesetzt werden können. Ein entsprechender Umstieg könnte auf globaler Ebene immerhin rund eine Gigatonne CO2 pro Jahr sparen, was etwa drei Prozent der weltweiten Emissionen entspricht.

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