Im Fachblatt „Science“ platzte die Bombe: Ein Forscherteam, das die genetischen Anlagen von fast einer halben Million Menschen ausgewertet hat, stellte fest, dass es das berühmte »Schwulen-Gen« gar nicht gibt. Die Hinweise, die in früheren Untersuchungen das sogenannte Xq28 auf dem X-Chromosom verorteten, haben sich in Luft aufgelöst. Die Sache ist sehr viel komplizierter als bislang gedacht.


Von Mm.TorontoEigenes Werk, Gemeinfrei, Link

Fünf Gensequenzen erklären zu 1 %, ob jemand homosexuell ist

Autor der Studie ist Andrea Ganna; an der Untersuchung mitgearbeitet hat der Homosexuelle Wissenschaftler Fah Sathirapongsasuti. Früher war der Co-Autor davon überzeugt, dass seine Mutter ihm die sexuelle Veranlagung vererbt hat, heute würde er sagen, es kommt von beiden Elternteilen. Aber auch das beschreibt die eigentliche Situation nur sehr verkürzt. Im Erbgut der Probanden fanden sich fünf Gensequenzen, die sich der sexuellen Orientierung zuordnen ließen. Drei davon sind entweder ausschließlich bei Frauen oder nur bei Männern zu finden, die anderen beiden kommen bei beiden Geschlechtern vor. Allerdings erklären sie alle fünf zusammen nur zu einem einzigen Prozent, warum eine Person in der Liebe das eigene Geschlecht bevorzugt. Aus dem Erbgut lässt sich also alles andere als sicher ablesen, ob jemand nun hetero- oder homosexuell ist.

Auch durch Einflüsse im Mutterleib kann sich Sexualität festigen

Bezogen auf das gesamte Erbgut besteht höchstens die Möglichkeit, zu 8 bis 25 Prozent die sexuelle Ausrichtung vorherzusagen. Doch das heißt immer noch nicht, dass die restlichen 92 bis 75 Prozent komplett vom sozialen Umfeld geprägt sind. Denn auch der hormonelle Einfluss im Mutterleib kann durchaus Einfluss auf die Entwicklung nehmen, ebenso wie die Reaktionen des mütterlichen Immunsystems. Außerdem stehen die genannten 5 Gensequenzen auch noch im Zusammenhang mit dem Geruchssinn und sie beeinflussen den Testosteron- und Östrogenspiegel. Inwiefern sie direkt in das sexuelle Verhalten eingreifen, ist derzeit nicht feststellbar.


In 70 Ländern ist Homosexualität derzeit noch immer illegal, doch auch in den übrigen Staaten herrscht weiterhin ein gewisses Maß an Vorurteilen. Es ist wichtig, dass Wissenschaftler den Dingen faktenorientiert auf den Grund gehen, und doch birgt dieses Vorgehen hier eine gewisse Gefahr in sich. Unser Appell an dieser Stelle: Jeder Mensch sollte mit seinen Eigenheiten stets als wertvoll gelten, ob seine Sexualität nun genetisch oder sozial geprägt ist – oder ob sie sich aufs eigene oder andere Geschlecht bezieht.

Quellen: science.orf.at, geneticsexbehavoir.info

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