Das menschliche Gehirn fasziniert die Wissenschaft bereits seit Jahrhunderten. So wurde etwa das Gehirn von Albert Einstein nach dessen Tod gleich mehrfach untersucht, um dort möglicherweise Gründe für dessen Genialität zu finden. Die Befunde waren aber jeweils eher unspektakulär. Auch bei ganz normalen Menschen hat die Forschung aber bereits festgestellt, dass das Gehirn besonders gut arbeitet, wenn es angeregt ist. Sichtbar wird dieser Zustand durch Hirnströme, die heutzutage aufgezeichnet werden können. Der US-Forscher Michael Kahana hatte nun die Idee den umgekehrten Weg zu gehen. Anstatt nur zu beobachten, bei welchen Hirnströmen das Gedächtnis am besten funktioniert, wollte er diesen Zustand künstlich und auf Knopfdruck herbeiführen. Dafür nutzte er gezielte Stromstöße und hatte tatsächlich Erfolg: Die Lernleistung verbesserte sich um 15 Prozent.


Gehirnareale
Foto: brain lobes, Allan Ajifo, Flickr, CC BY-SA 2.0

Künstliche Intelligenz wertete die Muster der Hirnströme aus

Teilgenommen an den Tests haben 25 Probanden, deren Gehirne ohnehin bereits mit Elektroden verbunden waren, weil sie auf Epilepsie untersucht wurden. Zunächst nahm allerdings auch Kahana nur eine beobachtende Rolle ein und untersuchte, bei welchem Muster an Gehirnströmen die einzelnen Teilnehmer bei einem einfachen Test jeweils am besten abschnitten. Konkret mussten Wortreihen auswendig gelernt werden. Zur Auswertung der Daten wurde künstliche Intelligenz genutzt. Am Ende des Prozesses war das Forscherteam dann in der Lage, anhand des jeweiligen Musters zu erkennen, ob das Gedächtnis eines Probanden aktuell gut arbeitet. War dies nicht der Fall wurden Stromstöße genutzt, um die gewünschten Hirnströme zu generieren. Die Elektroden befanden sich dabei im linken seitlichen Schläfenlappen, weil dieser Bereich gut mit den restlichen Teilen des Gehirns vernetzt ist.

Faule Schüler und Studenten gehören nicht zur Zielgruppe

Doch wer nun hofft, zukünftig den Lernprozess durch gezielte Stromstöße vereinfachen zu können, dürfte enttäuscht werden. Denn Kahana betont, dass er nur Grundlagenforschung betreibt. Von einer konkreten Anwendung ist man also noch weit entfernt. Ohnehin soll es später einmal nicht um Hirndoping für faule Schüler und Studenten gehen. Vielmehr könnten spezielle Therapien für bestimmte Krankheiten entwickelt werden – etwa für die Demenz. Dies ist aber noch Zukunftsmusik. Ein weiteres Problem muss zudem noch gelöst werden. Elektroden im Gehirn anzubringen, ist eine komplexe Angelegenheit. Für eine Nutzung im Alltag müsste aber ein implantierbares Gerät entwickelt werden. Auch hier stehen die Forscher also noch vor einer großen Herausforderung.


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