Plastikprodukte haben aktuell ohnehin nicht den besten Ruf. Denn sie werden unter anderem für die Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich gemacht. Doch auch bei einer ordnungsgemäßen Entsorgung ist die Nutzung nicht unproblematisch. Darauf scheint nun zumindest eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts hinzudeuten. Die Wissenschaftler dort sollten untersuchen, inwieweit die Bevölkerung durch Chemierückstände belastet ist. Deshalb analysierten sie die Urinproben von 2.500 Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis siebzehn Jahren. Das erschreckende Ergebnis: In so gut wie allen Proben wurden Rückstände von Plastikinhaltsstoffen gefunden. In der Regel ließen diese sich auf Weichmacher zurückführen. Folgt man den Autoren wurde damit ein nicht unerwarteter Zusammenhang bewiesen: Je stärker die Produktion der entsprechenden Produkte steigt, desto stärker ist auch die Belastung für die Bevölkerung.


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Kleinkinder sind von der Problematik besonders stark betroffen

Insgesamt wiesen die Forscher 15 unterschiedliche Stoffe im Urin der Probanden nach. Für einige davon gibt es bisher keine gesetzlichen Grenzwerte. In einigen Fällen wurden die vorhandenen Obergrenzen schlicht deutlich überschritten. Aber auch in den anderen Fällen ist die Belastung keineswegs unproblematisch. Denn alleine die Vielzahl an verschiedenen Stoffen im Körper kann zu Problemen führen – selbst wenn die jeweiligen Grenzwerte nicht überschritten wurden. Besonders Besorgnis erregend: Bei Kleinkindern lagen die Werte noch einmal höher als bei den anderen untersuchten Kindern. Dies ist deshalb bedenklich, weil diese Gruppe aus gesundheitlicher Sicht als besonders sensibel gilt. Wie gefährlich dies sein kann, zeigt das Beispiel der Perfluoroktansäure (PFOA). Diese gilt als schädlich für die Fortpflanzung und lebertoxisch. In der Europäischen Union tritt daher im nächsten Jahr ein Verbot inkraft.

Teilweise sind langfristige Schäden nicht auszuschließen

Aktuell hilft dies den Kindern aber noch wenig. Denn bei zwanzig Prozent der untersuchten Proben wurde der Grenzwert für PFOA überschritten. Auch hier waren Kleinkinder besonders stark betroffen. Verwendet wird die Perfluoroktansäure unter anderem zur Produktion von Outdoorkleidung und in Pfannenbeschichtungen. Die Grünen-Politikerin Bettina Hoffmann hat sich die Daten der Studie im Detail angeschaut und kam zu dem Schluss: Im Alter von drei bis fünf Jahren ist jedes Vierte Kind so stark mit Chemikalien belastet, dass langfristige gesundheitliche Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Die Tatsache, dass PFOA ab dem nächsten Jahr in der EU nicht mehr verwendet werden darf, zeigt aber auch, dass die Politik das Thema durchaus im Blickfeld hat. Die Studie nun könnte dafür sorgen, dass weitere Stoffe mit Grenzwerten oder Verboten belegt werden.

Via: Der Spiegel

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