Das Ziel ist klar: Bis zum Jahr 2030 soll Ökostrom einen Anteil von mindestens 65 Prozent am deutschen Strommix erreicht haben. So hat es die Bundesregierung beschlossen. Wie viel grüner Strom dafür allerdings genau benötigt werden wird, lässt sich bisher nur schätzen. Denn dies hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich der Stromverbrauch in den nächsten Jahren entwickeln wird. Hier wiederum gibt es sehr unterschiedliche Schätzungen. Die Bundesregierung etwa geht von einem Rückgang um 4,5 Prozent auf dann 590 TWh aus. Die Experten des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) kommen hingegen zu einem völlig anderen Ergebnis: Ihren Berechnungen zufolge wird der Stromverbrauch um stolze 26 Prozent zulegen. Getrieben wird diese Entwicklung laut der Prognose von zwei Faktoren.


Der Straßenverkehr und die Wasserstoff-Elektrolyse sind wichtige Faktoren

Zum einen wird der Straßenverkehr im kommenden Jahrzehnt weiter elektrifiziert. Dadurch wird zwar weniger Benzin verbrannt. Auf der anderen Seite erhöht sich aber natürlich die Stromnachfrage. Konkret gehen die Experten hier von einem Anstieg in Höhe von 64 TWh pro Jahr aus. In der Industrie wiederum dürften der reine Stromverbrauch zwar um 15 TWh sinken. Ein Teil der Einsparungen entsteht allerdings durch die Umstellung der Prozesse auf die Nutzung von Wasserstoff. Für dessen Herstellung wiederum wird ebenfalls Strom benötigt. Hier rechnen die Experten mit einem zusätzlichen Bedarf von 55 TWh. Netto ergibt sich hier also auch ein starker Anstieg des Stromverbrauchs. Für die Autoren der Studie ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Bundesregierung weiterhin von einem Rückgang ausgeht.


Der Ausbau müsste weiter beschleunigt werden

Folgt man den Daten der Studie, droht Deutschland damit aber eine nicht unerhebliche Ökostrom-Lücke. Selbst wenn man beim Ausbau der Erneuerbaren Energien die ambitionierten Pläne der Bundesregierung zugrunde legt, läge der Anteil des grünen Stroms im Jahr 2030 dann lediglich bei 46 Prozent. Dies wäre nur ein geringer Anstieg gegenüber dem aktuellen Wert. Denn heute decken die mehr als 30.500 Windräder und über 1,5 Millionen Solaranlagen hierzulande 43 Prozent des Stromverbrauchs ab. Die eigentlich logische Konsequenz: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsste in den nächsten Jahren massiv beschleunigt werden, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen. In der Praxis zeigt sich aber, dass dies insbesondere bei der Windkraft schwerer ist als ursprünglich gedacht.

Via: Handelsblatt

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