Die CRISPR-Genschere gehört zu den wissenschaftlich bedeutendsten Entdeckungen der vergangenen Jahre. Mit ihr ist es möglich, die DNA von Zellen so einfach und schnell wie nie zuvor zu verändern. Dies wiederum könnte helfen, eine ganze Reihe von Krankheiten zu heilen. Noch in diesem Jahr soll daher mit den ersten Studien mit menschlichen Probanden begonnen werden. Schon seit einiger Zeit wird allerdings auch diskutiert, ob die Veränderungen an den Zellen nicht auch die Wahrscheinlichkeit von weiteren ungewollten Mutationen erhöhen. Eine Studie im vergangenen Jahr schien genau dies zu belegen, musste dann aber aufgrund massiver wissenschaftlicher Mängel zurückgezogen werden. Die meisten anderen Untersuchungen deuten hingegen darauf hin, dass es sich um eine vergleichsweise sichere Methode handelt.


Die Auswahl der Zellen ist der entscheidende Punkt

Nun aber wurden zwei Studien veröffentlicht, die auf einen kritischen Punkt hinweisen. Demnach ist der Einsatz der CRISPR-Genschere zwar grundsätzlich unbedenklich. Bei der Auswahl der Zellen kann aber eine bisher weitgehend unbeachtete Problematik auftreten. So fanden die Forscher heraus, dass die Wirksamkeit der Genschere besonders hoch ist, wenn in einer Zelle das Protein p53 fehlt oder unterdrückt wird. Dabei handelt es sich um eine Art Alarmsystem, dass Beschädigungen an den Zellen registriert und die körpereigene Gegenwehr mobilisiert. Ist das Protein also aktiv, ist es deutlich schwerer eine Zelle auf die gewünschte Art und Weise zu verändern. Es ist daher anzunehmen, dass für den Einsatz der CRISPR-Genschere im Zweifel Zellen genommen werden, bei denen das Alarmsystem nicht anschlägt.


Bei Tierversuchen konnten bisher keine Auffälligkeiten festgestellt werden

Dies aber kann langfristig zum Problem werden. Denn Zellen ohne p53 sind anfälliger für eine Krebserkrankung, weil die ungewünschten Mutationen eben nicht frühzeitig erkannt werden. Es ist also denkbar, dass durch den Einsatz der Genschere selbst zwar kein Krebs ausgelöst wird, die implementierten Zellen aber die Anfälligkeit erhöhen. Dies würde auch erklären, weshalb bei den bisher unternommenen Tierversuchen keine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen aufgefallen ist – diese liefen schlicht nicht lange genug. Die beteiligten Wissenschaftler betonen aber auch: „Wir wollen nicht hysterisch klingen und sagen nicht, die Genschere ist böse oder gefährlich“, so Jussi Taipale, der führend an den Studien beteiligt war. Man wolle lediglich auf ein Problem hinweisen, das vergleichsweise einfach gelöst werden könne.

Via: New Atlas

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