In Zementfabriken und Kohlekraftwerken fallen bekanntermaßen jede Menge CO2-Emissionen an. Bisher entweichen diese weitgehend ungehindert in die Atmosphäre und befeuern dort den Klimawandel. Teilweise wird auch versucht, das CO2 aus der Luft zu filtern und beispielsweise bei der Getränkeproduktion zu nutzen. Bisher existiert aber weltweit lediglich eine kommerzielle Anlage dieser Art. Der in Deutschland forschende israelische Wissenschaftler Arren Bar-Even arbeitet an einem neuen Lösungsansatz. Er baut bei gewöhnlichen Colibakterien einen künstlichen Stoffwechsel ein, so dass diese von Ameisensäure leben. Der Clou: Diese Ameisensäure kann auf elektrochemischen Weg vergleichsweise einfach aus CO2 hergestellt werden. Einzige Voraussetzung: Es müssen große Mengen an Erneuerbaren Energien zur Verfügung stehen.


Bild: ; , NIAID, Flickr, CC BY-SA 2.0

Noch ist das Verfahren zu teuer für den großflächigen Einsatz

Die Ameisensäure könnte in einen Bioreaktor geleitet werden, wo die künstlichen Einzeller leben. Diese nähmen dann das Zwischenprodukt auf und könnten – je nach eingebauten Stoffwechsel – daraus verschiedene nützliche chemische Verbindungen herstellen. Beispielsweise wäre es möglich, auf diese Weise Essigsäure zu gewinnen, die sich dann wiederum in Biokraftstoffe umwandeln ließe. Letztlich hätte man dann eine direkte Produktionskette, die aus CO2 und Erneuerbaren Energien nachhaltigen Treibstoff macht. Einen Haken hat die Sache bisher aber noch: Aktuell ist es schlicht günstiger, die gewünschten Produkte direkt aus Erdöl zu gewinnen. Zu lösen ist dieses Problem nur von politischer Seite. Erst wenn die CO2-Emissionen verteuert werden – etwa durch die Einführung einer CO2-Steuer – würde sich auch der Einsatz der künstlichen Einzeller lohnen.

Die Forscher haben sich eine gewaltige Aufgabe vorgenommen

Hinzu kommt, dass die Forschung von Bar-Even noch relativ weit am Anfang steht. So wurden die Fähigkeiten der umgewandelten Colibakterien bisher nur im Labor getestet. Der Bau eines Bioreaktors im großen Stil ließ sich bisher hingegen noch nicht realisieren. Die Forschung ist zudem hoch komplex. Denn die Bakterien müssen zunächst lernen, Ameisensäure aufzunehmen und dadurch zu wachsen. Allein dies stellt schon eine große Herausforderung dar. Anschließend muss der Stoffwechsel aber auch noch so programmiert werden, dass am Ende eine gewünschte chemische Verbindung herauskommt. Bar-Even sieht sich und sein Team dennoch auf einem guten Weg. Was jetzt noch fehlt, ist ein wenig Rückenwind aus der Politik, um den interessanten Ansatz auch praxistauglich werden zu lassen.


Via: DLF

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1 Kommentar

  1. Martin

    6. August 2019 at 14:36

    Bakterien (Archaeen) gibts schon. Die können aus CO2 und H2 CH4 und H2O machen. Sogenannte „Biologische Sabatier-Reaktion“. Wozu also einen Prozess, der Ameisensäure benötigt.
    H2 via Elektrolyse geht problemlos.
    DAs ganze hat den gleichen – wenn auch kleineren – Haken. Der Strom ist zu teuer.
    Betrachtet man allerdings die Kosten für zeitweise abgeschaltete Windräder (weil der Strom gerade nicht gebraucht wird), so sieht man, dass hier wohl eher ein logistisches Problem besteht.
    Darüber hinaus entsteht in jeder Biogasanlage CO2. Mit diesem Prozeß ließe sich die Methanausbeute in jeder Biogasanlage erhöhen und dieses unlimitiert in Erdgasnetz einspeisen (für H2 gibts ein Limit)

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