Die Software „VFrame“ kann private Aufnahmen aus dem Syrienkrieg automatisiert auswerten und nach Hinweisen auf Kriegsverbrechen untersuchen. Nutzen möchte diese Möglichkeit unter anderem die Organisation „Syrian Archive“. Diese hat bereits in der Vergangenheit versucht, alle Videos aus öffentlich zugänglichen Quellen zu erfassen und zu dokumentieren. Die Zahl der Aufnahmen ist aber so groß, dass es Jahre dauern wird, sie alle vollständig zu sichten. Deswegen kommt nun die künstliche Intelligenz zum Einsatz. Sie soll etwa in der Lage sein, Munition zu erkennen – selbst wenn diese verdreckt oder beschädigt ist. Die entsprechenden Aufnahmen können dann markiert und bei Bedarf an die internationalen Strafverfolgungsbehörden weiter gegeben werden.


Auch Journalisten sollen von der Software profitieren

Auf der re:publica wurde das System erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Dort demonstrierte das „Syrian Archive“ beispielsweise, wie mithilfe der KI der Einsatz von – eigentlich geächteten – Streubomben nachgewiesen werden konnte. Auch die Nutzung chemischer Waffen ließ sich so bestätigen. Interessant ist die Software somit nicht nur für Menschenrechtler und Strafverfolger, sondern auch für Journalisten. Zumal auch die Metadaten ausgelesen werden, so dass die Verifizierung der Aufnahmen erleichtert wird. Entwickelt wurde die Software in erster Linie, um Kriegsverbrechen im Syrien-Konflikt zu dokumentieren. Grundsätzlich lässt sich der Ansatz aber auch auf alle anderen militärischen Konflikte übertragen. Einzige Voraussetzung ist, dass es tatsächlich ausreichend verfügbares Videomaterial gibt.

Die Löschpolitik von Youtube erschwert die Arbeit

In diesem Zusammenhang hat das „Syrian Archive“ aktuell mit einer vergleichsweise neuen Problematik zu kämpfen. Denn Youtube hat in letzter Zeit verstärkt Videos gelöscht, in denen extremistische Inhalte vermutet wurden. Laut des konzerneigenen Transparenzberichts geschah dies insgesamt rund acht Millionen mal. Damit gehen aber auch viele Aufnahmen verloren, die sonst durch die künstliche Intelligenz noch analysiert werden könnten. Die Mitarbeiter der Organisation verweisen zudem darauf, dass nachweislich auch Videos gelöscht wurden, in denen keine extremistischen Inhalte zu sehen waren – dafür aber Kriegsverbrechen. Trotz dieser Widrigkeiten hofft das „Syrian Archive“ durch seine Arbeit sicher zu stellen, dass die Menschenrechtsverstöße im Syrienkrieg dokumentiert werden – damit später dann auch eine Strafverfolgung möglich ist.


Via: Qantara

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