Mais könnte als Rohstoff für Biogasanlagen bald ausgedient haben. Nachfolger soll eine schnell wachsende Pflanze mit dem kuriosen Namen „Durchwachsene Silphie“ werden, die ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist. Sie wächst jedes Jahr bis zu einer Höhe von drei Metern, blüht von Juni bis September leuchtend gelb und wirkt auf Bienen und kleine Wildtiere, die einen Unterschlupf suchen, wie ein Magnet. Dass die Silphie bisher dennoch nicht angebaut wurde hat einen einfachen Grund: Im ersten Jahr nach der Aussaat kommt sie nicht in die Gänge. Statt Nachschub für die Biogasanlage zu liefern bildet sie lediglich eine Rosette aus, die platt auf dem Acker liegt. Das bedeutet Ernte- und damit Geldausfall in diesem Jahr.


energiepflanze

Dünger und Pflanzenschutz nur im ersten Jahr

Vier Landwirte im baden-württembergischen Hahnennest ein paar Kilometer südlich der Donau haben eine Anbaumethode entwickelt, die vom ersten Jahr an Gewinn bringt. Sie säen reihenweise abwechselnd Silphie und Mais aus. Während die Silphie im ersten Jahr am Boden verharrt, wächst der Mais wie gewohnt heran und kann im Herbst abgeerntet werden. Das ist das letzte Mal, dass diese Futter- als Energiepflanze herhalten muss. Vom zweiten Jahr an ist die Silphie an der Reihe, und das über Jahrzehnte, ohne dass eine Neuaussaat nötig ist. Sie benötigt nur im ersten Jahr Dünger und Pflanzenschutzmittel, die sie sich mit dem Mais teilt. Da sie frostresistent ist kann sie in weiten Teilen Mitteleuropas angebaut werden.


Quantensprung für die Biogasbranche

Die vier landwirtschaftlichen Betriebe bauen die Silphie mittlerweile auf 180 Hektar an. Dazu kommen in Baden-Württemberg weitere 300 Hektar in anderen Regionen. „Was die Oberschwaben in Hahnennest erreicht haben ist ein Quantensprung für die Biogasbranche“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Claudius da Costa Gomez. Außerdem reduziere die Silphie „mit ganzjähriger Bestockung auf dem Acker massiv Erosionserscheinungen, leistet durch Humusaufbau einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und sorgt mit ihrem bis zu zwei Meter tiefen Wurzelwerk für hervorragenden Trinkwasserschutz.“ Dazu kommt, dass sie sich mit weniger wertvollem Ackerland begnügt. 2017 soll die Fläche für den Anbau der Silphie in Baden-Württemberg vervierfacht werden.

Vom Acker ins Erdgasnetz

Die Landwirte in Hahnennest betreiben eine eigene Biogasanlage. Das produzierte Gas wird in zwei Blockheizkraftwerken verfeuert, die eine elektrische Leistung von jeweils 250 Kilowatt haben. Seit 2012 wird es zu Biomethan aufbereitet, wenn es nicht genügend Abnehmer für Wärme gibt, das in das Gasnetz eingespeist wird.

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1 Kommentar

  1. tom

    1. September 2016 at 09:36

    Solange der Boden ausgelaugt wird und Wiesenflächen bzw. Ackerflächen für Lebensmittelanbau verwendet werden ist das genau so absurd wie mit Mais.

    Es wird offensichtlich nur weniger bis gar kein Dünger gebraucht, was den Profit steigert … je nachdem wie viel man von dieser Pflanze braucht um gleiche BioGas Mengen zu erhalten

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