Rund um den Amazonas liegt der größte Regenwald der Erde. Ein Großteil davon befindet sich auf brasilianischem Staatsgebiet – weshalb die dortige Regierung auch für den Schutz des einzigartigen Biotops zuständig ist. Lange Zeit wurde das Thema stark vernachlässigt. So ging im Jahr 2004 ein Gebiet von der Größe Haitis – etwa 27.000 Quadratkilometer – verloren. Anschließend ergriff die Politik allerdings entschiedene Gegenmaßnahmen und konnte die jährlich gerodete Fläche deutlich reduzieren. In diesem Jahr ist aber wieder ein Anstieg zu verzeichnen. So gab das Umweltministerium bekannt, dass zwischen August 2017 und Juli 2018 insgesamt 7.900 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt wurden. Dies entspricht der Fläche von mehr als einer Millionen Fußballplätzen und bedeutet eine Steigerung um rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür sind vor allem 3 Gründe:


1. Die Ausweitung der Landwirtschaft


Der Bundesstaat Mato Grosso ist so etwas wie die Kornkammer Brasiliens. Gleichzeitig ging dort auch überdurchschnittlich viel Regenwald verloren. Für Kritiker ist dies kein Zufall, sondern hat System. Große Agrarkonzerne und arme Kleinbauern sichern sich demnach immer neue Flächen, indem sie den Regenwald weiter zurückdrängen. Der Bedarf der Landwirtschaft wird zudem niemals gedeckt werden können. Denn die gerodeten Flächen sind nur einige Jahre für eine intensive Landwirtschaft nutzbar, der abgeholzte Regenwald kehrt aber anschließend nicht so einfach zurück.

2. Organisierte Kriminalität

Umweltminister Edson Duarte schlägt zudem in einem weiteren Punkt Alarm: Die illegale Abholzung verspricht für die Täter erhebliche Gewinne. Sei es durch den Verkauf des Holzes oder durch die Nutzung der neu gewonnenen Flächen. Dies hat dazu geführt, dass sich feste kriminelle Strukturen entwickelt haben. Für die staatlichen Behörden wird es daher immer schwerer gegen die Abholzung und die Hintermänner der Verbrechen vorzugehen. Abwarten und wegschauen ist allerdings auch keine Lösung. Denn je länger die kriminellen Strukturen Zeit haben, sich festzusetzen, desto schwieriger sind sie anschließend zu bekämpfen.

3. Politische Prioritäten

Der neu gewählte Präsident Jair Bolsonaro wurde bereits im Wahlkampf international wegen rassistischer und frauenfeindlicher Aussagen kritisiert. Auch seine Ideen für den Regenwald im Amazonasgebiet kamen bei Umweltschützern aus aller Welt nicht gut an. So will er eine Straße mitten durch den Regenwald bauen. Die Asphaltierung wäre aber natürlich nur möglich, wenn zahlreiche Bäume abgeholzt werden. Außerdem will er das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium zusammenlegen. Kritiker gehen davon aus, dass in dem neuen Ministerium dann vor allem die Agrarlobby an den Schaltstellen der Macht sitzen dürfte.

Via: Der Spiegel

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