Es ist das Ende einer Ära: Ab dem 1. Juni werden die Wetterdaten auf der Zugspitze nicht mehr von menschlichen Mitarbeitern vor Ort erfasst. Stattdessen soll diese Aufgabe zukünftig automatisiert von Sensoren übernommen werden. Die vor 120 Jahren gestarteten Aufzeichnungen werden also auch zukünftig fortgesetzt. Wer Deutschlands höchsten Berg bereits einmal bestiegen hat, kennt die dortige Messstation. Es handelt sich um einen hölzernen Turm, der noch einmal zwei Meter höher ist als der Gipfel des Berges. Früher mussten die Wetterbeobachter dort den ganzen Winter über ausharren, weil noch keine Bahn ins Tal fuhr. Diese Zeiten sind längst vorbei. Noch immer aber ist die Wetterstation rund um die Uhr besetzt und die aktuelle Wetterlage wird alle halbe Stunde erfasst. Dazu gehören etwa Daten wie Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Windstärke und Wolkenbildung.


Bild: 37- Single Flacke, Mark Helm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der Schnee muss weiterhin von Menschen entfernt werden

Viele dieser Werte werden bereits heute automatisiert erfasst und direkt an die Zentrale des Deutschen Wetterdienstes gesendet. Ab dem nächsten Monat soll die Technik dann alles Messaufgaben selbstständig übernehmen. Die Begründung des DWD für diesen Schritt klingt einleuchtend: Die Sensoren könnten mehr Daten in kürzerer Zeit erfassen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies: Ihr Aufgabengebiet wird sich verlagern. Statt selbst Messungen durchzuführen, werden sie vor allem die Arbeit der Maschinen überwachen. Außerdem kann auch die beste Technik nicht verhindern, dass die Station irgendwann einschneit. Zum Schnee schippen werden also auch weiterhin menschliche Muskeln benötigt. Dennoch stellt der 01. Juni auf der Zugspitze einen Einschnitt dar. Dieser dürfte zukünftig auch anderen Wetterstationen bevorstehen: Bis zum Jahr 2021 sollen alle Messstellen vollständig digitalisiert sein.

Die Daten weisen auf den Klimawandel hin

Die auf der Zugspitze gewonnenen Daten werden unter anderem genutzt, um die Wettervorhersage für die nächsten Tage zu erstellen. Hierfür werden auch weiterhin menschliche Arbeitskräfte benötigt. Vom Aussterben bedroht ist also nur der Beruf des Wetterbeobachters – Metereologen werden hingegen weiterhin gesucht. Außerdem lassen sich anhand der jahrelangen Aufzeichnungen auch wichtige Trends erkennen: So ist die durchschnittliche Temperatur im Laufe der Jahre um 0,8 Grad gestiegen – ein deutlicher Hinweis auf den Klimawandel. Im April dieses Jahres war es sogar mehr als fünf Grad wärmer als dies das langjährige Mittel erwarten ließ. Der heißeste Tag auf der Zugspitze liegt allerdings schon länger zurück: Am 05. Juli 1957 waren es stolze 17,9 Grad. Solche und ähnliche Rekorde werden zukünftig nicht mehr von Menschenhand, sondern vollkommen automatisiert, erfasst.

Via: Der Spiegel


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