Google ist seit mehreren Jahren dabei, in Städten in den USA das Glasfasernetz auszubauen. Facebook entwickelt nun eine Technologie, um ähnliche Verbindungsgeschwindigkeiten in Form eines öffentlichen Wi-Fi-Netzes zur Verfügung zu stellen.


Testbetrieb auf eigenem Campus

Auf dem Facebook-Campus in Menlo Park in Kalifornien hat das Unternehmen ein kleines Wi-Fi-Netz aufgebaut, das Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde überträgt. Dies entspricht der Geschwindigkeit von Google Fiber und ist ungefähr 100 Mal schneller als der durchschnittliche Breitbandanschluss in den USA. Ein größeres Test-Netzwerk soll noch in diesem Jahr im kalifornischen San Jose etabliert werden. Später sollen dann ähnliche Versuche in Städten in der ganzen Welt durchgeführt werden.


We’re going to be able to use this high-capacity urban Wi-Fi solution to bring more people online affordably”, so Jay Parikh, seines Zeichens Head of Infrastructure and Engineering bei Facebook auf der F8-Konferenz des Unternehmens. Parikh sagte weiter, dass Glasfasernetze selbst für weit entwickelte Länder wie die USA oder auch Deutschland eine Herausforderung. Dennoch hat der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kürzlich angekündigt, in Deutschland bis 2025 ein gut ausgebautes Glasfasernetz etablieren zu wollen. Drahtlose Technologie ist dagegen billiger und einfacher zu installieren.

WiGig soll schnellen Internetzugang bieten

Facebook hat das Projekt auf den Namen “Terragraph” getauft. Dahinter steht der neue Wireless-Standard WiGig, der von einer Gruppe von Unternehmen wie Apple, Intel und Qualcomm entwickelt wird. Das WiGig-Signal soll von Zugangspunkten an Laternenpfählen und anderen urbanen Strukturen ausgestrahlt werden.

WiGig operiert – anders als die Signale von Mobilfunknetzen – ähnlich wie konventionelle WiFi-Signale in Bandbreiten, die nicht von einer einzelnen Firma kontrolliert werden. WiGig nutzt ein Signal mit 60 Gigahertz, welches in der Lage ist, eine große Menge an Daten zu tragen. Der neue Standard ist außerdem zuverlässiger als bestehende WiFi-Netze. Das Testnetz von Facebook greift dabei auf Equipment zurück, das bereits im Handel erhältlich ist.

Hohe Anforderungen an die Technik

Ben Zhao, ein Professor für Computerwissenschaften an der University of California, Santa Barbara, hält Facebooks Idee für sinnvoll, sieht jedoch ein Problem: Das von dem Unternehmen eingesetzte WiGig-Equipment wird die verbundenen Geräte sehr genau verfolgen müssen, da diese sich stetig bewegen werden und das WiGig-Signal sehr konzentriert übertragen wird. “Doing this in real time robustly for any street environment is very challenging”, so Zhao.

Facebook selber verfolgt mit der Technologie einen interessanten Ansatz: Das Netz soll letztlich kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, in der Hoffnung, dass Telekommunikationsunternehmen Tarife aufgreifen. We want to show that it’s possible to build networks to accelerate how people get connected to the Internet„, so Parikh. Dahinter steckt auch Facebooks Plan, Breitbandverbindungeg in ärmeren Ländern zu ermöglichen, um letztlich mehr Nutzer mit den eigenen Diensten zu erreichen. Entsprechende Machbarkeitsstudien werde gerade als Projekt Aries durchgeführt. Es wäre damit wenig überraschend, wenn der Service letztlich ähnlich wie andere Pläne des Unternehmens gewissen Limitierungen unterliegt.

Gut verfügbare Breitbandanschlüsse würden aber auch Hand in Hand mit Facebooks Plänen gehen, die Entwicklung der Virtuellen Realität voranzubringen. VR-Videos enthalten große Datenmengen, da sie jeden denkbaren Blickwinkel der Person abdecken müssen, die das VR-Headset trägt. Mit zunehmender Qualität solcher Videos wird auch die Datenmenge stark zunehmen.

via MIT Technology Review

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