Der Online-Handel in Deutschland wächst seit einigen Jahren sehr stark. Offensichtlich wurden von diesem Trend aber nicht nur unbescholtene Bürger erfasst, sondern auch gewaltbereite Islamisten. So steht aktuell Yamen A. vor Gericht, dem vorgeworfen wird, mit einer selbstgebauten Bombe einen Anschlag vorbereitet zu haben. Die dafür benötigten Materialien bestellte er ganz einfach im Internet bei Amazon. Als die Ermittler den Kaufprozess nach verfolgten, fiel ihnen eine gefährliche Besonderheit des Online-Handels auf: Die „Andere Kunden kauften auch…“ Funktion. Denn sobald auch nur ein Produkt für den Bombenbau angeschaut wird, tauchen dort immer wieder andere ebenfalls benötigte Materialien auf. Der Terrorist kann sich anhand dieser Empfehlungen also gewissermaßen eine Einkaufsliste für den Bombenbau zusammenstellen.


Seit dem vergangenen Jahr meldet Amazon verdächtige Bestellungen

Die ermittelnden Beamten im Fall von Yamen A. nahmen daher Kontakt mit Amazon auf. Anschließend verzichtete der Konzern darauf, bei einschlägig bekannten Produkten weitere Vorschläge einzublenden. Unklar ist allerdings, ob diese Praxis bis heute beibehalten wurde. In jedem Fall verspricht der Online-Händler allerdings, entsprechende Bestellungen zu überwachen. Wer also eigentlich unbedenkliche Stoffe und Materialien verdächtig kombiniert, muss damit rechnen, dass Amazon die Behörden informiert. Ein ähnliches System wurde bereits im Jahr 2014 auch bei Baumärkten und Drogerien eingeführt – weshalb Yamen A. seine Bestellungen wohl im Internet aufgegeben hat. Bisher ist aber nicht bekannt, in wie vielen Fällen Amazon die Behörden bereits über einen Verdacht informiert hat.


Mindestens drei Terroristen nutzten Online-Bestellungen

Wirklich teuer ist der Bau einer Bombe aus eigentlich legalen Einzelteilen übrigens nicht. Wie eine britische Boulevardzeitung im vergangene Jahr durch einen Selbstversuch herausfand, konnten alle benötigten Materialien für zusammen 95 Pfund bestellt werden. Auch dann allerdings ist noch ein gewisses Geschick beim Bau der Bombe nötig. Yamen A. beispielsweise hatte aus Syrien entsprechende Pläne erhalten, scheiterte aber an der Mischung des Sprengstoffs. Zumindest dachte er dies – später fanden die Ermittler heraus, dass einer seiner Versuche sehr wohl erfolgreich war. Yamen A. ist aber nicht der einzige verdächtige Amazon-Kunde. Auch Dschaber al-Bakr, der den Ermittlern zufolge einen Anschlag auf einen Flughafen in Berlin plante, und die Islamisten, die eine Bombe vor einem Sikh-Tempel in Essen zündeten, sollen die benötigten Materialien online bestellt haben.

Via: Süddeutsche Zeitung

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