Im Juli 2017 startete im Pariser Stadtteil La Défense ein zukunftsgerichtetes Projekt. Die Stadtverwaltung tat sich mit dem Hersteller Navya, dem Verkehrsunternehmen Ile-de-France Mobilités und dem Transportunternehmen Keolis zusammen und ließ autonome Busse durch das Viertel fahren. Bei den Fahrgästen kam das Angebot durchaus gut an. In den ersten sechs Monaten wurden 30.000 Menschen transportiert, von denen immerhin 88 Prozent angaben, das Angebot erneut nutzen zu wollen. Dennoch wurde nun bekannt: Nach zwei Jahren wird das Experiment beendet. Dies berichtet das IT-Fachmagazin Golem. Zukünftig wird der öffentliche Personennahverkehr also wieder durch klassische Busse übernommen. Getroffen wurde diese nicht einfache Entscheidung vor allem aus drei Gründen:


navya

Diese Gründe führten zum Scheitern des Projekts:

1. Das Fahrzeug war nicht ausreichend gut darin, sich auf neue Situationen einzustellen. So fuhr der Bus nicht auf einer eigenen Spur, sondern teilte sich den Platz mit Fußgängern und Radfahrern. Außerdem sorgten Events – etwa der jährliche Weihnachtsmarkt – dafür, dass neue und unbekannte Fahrwege genutzt werden mussten. Dies stellte die Software regelmäßig vor Herausforderungen und hatte zur Folge, dass immer ein menschlicher Überwacher zur Verfügung stehen musste.


2. Der technische Fortschritt war nicht so schnell wie erhofft. So ließ sich unter anderem die Geschwindigkeit nicht so schnell steigern wie ursprünglich gedacht. Dadurch war das Angebot aber für viele potentielle Nutzer nicht attraktiv, weil sie zu Fuß schlicht deutlich schneller ans Ziel kamen.

3. Außerdem gab es in La Défense immer wieder Probleme mit der benötigten Mobilfunkverbindung. Dies dürfte aber vor allem an der lokalen Architektur mit zahlreichen Hochhäusern gelegen haben.

Auch in Deutschland werden Navya-Busse getestet

Das Ende des Experiments in Paris dürfte auch in vielen deutschen Städten aufmerksam registriert werden. Denn Navya-Busse kommen auch hierzulande bei zahlreichen Testprojekten zum Einsatz – etwa an der Berliner Charité. Für das Unternehmen stellt die Entscheidung der Stadtverwaltung von Paris den zweiten schweren Rückschlag innerhalb kürzester Zeit dar. Denn erst im Juli hatten die Wiener Verkehrsbetriebe den Betrieb der autonomen Busse ausgesetzt, weil es zu einem Zusammenstoß mit einer Fußgängerin kam. Hier gibt es aber noch keine finale Entscheidung, ob das Projekt fortgeführt wird. Ein großer Konkurrent von Navya ist der ebenfalls französische Hersteller Easymile. Dieser soll unter anderem in Monheim am Rhein für ein autonomes Busnetz sorgen.

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