Die Pfieffetalbrücke in der Nähe der hessischen Stadt Melsungen gehört zu den besonders oft befahrenen Strecken im Netz der Deutschen Bahn. So fährt tagsüber in etwa alle dreißig Minuten ein ICE über das Bauwerk. Nachts wiederum wird die Brücke intensiv für den Güterverkehr genutzt. Die Schienen dort weisen zudem noch eine Besonderheit auf: Sie liegen fast den ganzen Tag über in der Sonne. Deshalb wurde die Brücke nun für ein möglicherweise zukunftsweisendes Projekt ausgesucht. Anfang der Woche rückte dort ein Trupp von Arbeitern aus und besprühte die Schienen mit weißer Farbe. Dies geschah nicht aus optischen Gründen, sondern soll dazu beitragen, das Schienennetz fit für die Folgen des Klimawandels zu machen.


Bild: Deutsche Bahn / Claudia Münchow

Die Temperatur des Stahls kann um bis zu acht Grad reduziert werden

Der Hintergrund: Bei extremer Hitze beginnt Stahl sich auszudehnen. Dadurch wird das Gleisbett unter Spannung gesetzt und es kann zu Verformungen kommen. Im schlimmsten Fall wird eine Strecke dann unbefahrbar und muss aufwändig saniert werden. Die weiße Farbe soll nun dafür sorgen, dass sich der Stahl nicht ganz so schnell und stark erhitzt. Auf einem Testgelände in Sachsen-Anhalt konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich die Schienen alleine durch die neue Farbgebung um sechs bis acht Grad abkühlen ließen. Nun soll das Verfahren erstmals unter realen Bedingungen getestet werden. Die Deutsche Bahn will so vor allem herausfinden, wie lange der Anstrich auf den Schienen verbleibt und wie oft dementsprechend nachgearbeitet werden muss.

Auch in Österreich wird die Idee bereits getestet

Anhand der gewonnenen Daten lässt sich dann beurteilen, ob der flächendeckende Einsatz von weißer Farbe tatsächlich sinnvoll ist. Denkbar wäre allerdings auch, zunächst nur Stellen zu besprühen, die einer besonders starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. In Deutschland werden die Schienen bisher noch händisch eingefärbt. In Österreich ist man hingegen schon einen Schritt weiter. Dort haben Azubis einen alten Bauzug so umgerüstet, dass dieser während der Fahrt automatisch die weiße Farbe aufträgt. Dieser wurde dann genutzt, um eine sechs Kilometer lange Strecke in Vorarlberg einzufärben. Auch dort soll der Ansatz nun ein Jahr lang während des laufenden Betriebs getestet werden. Im Idealfall könnte der einfache Trick zukünftig dann für weniger Verspätungen sorgen.


Via: Deutsche Bahn

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2 Kommentare

  1. Christian

    2. Oktober 2019 at 08:15

    Man könnte auch (zumindest teilweise) die besonders von der Sonne betroffenen Abschnitte überdachen und dort Solaranlagen verbauen. Hätte den Effekt, dass keine ggf. umweltschädliche Farbe immer und immer wieder aufgetragen werden muss und zudem Strom erzeugt wird („100% Ökostrom von der Deutschen Bahn“)

  2. Weste

    2. Oktober 2019 at 15:14

    @Christian – gute Idee, auch wenn ich diverse noch zu klärende Punkte sehe.
    Könnte gleichzeitig evtl. die Lärmbelastung verringern.

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