In den 1970er Jahren wurde mit der Ausbeutung von Öl-Lagerstätten unterhalb der Nordsee begonnen. Für viele der Anrainerstaaten war dies ein lukratives Geschäft. Inzwischen allerdings sind die Vorkommen weitgehend ausgebeutet und eine andere Frage rückt in den Fokus: Was passiert nun mit den nicht mehr benötigten Ölplattformen? Genau um diese Frage ist innerhalb der Europäischen Union nun ein heftiger Streit entbrannt. Denn die britische Regierung hat dem Shell-Konzern eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Demnach darf die Basiskonstruktion von insgesamt vier Plattformen einfach in der Nordsee verbleiben. Deutschland, Schweden, Luxemburg, Belgien und die Niederlande haben allerdings gegen die Pläne protestiert und ihr Veto eingelegt. Ob sie damit erfolgreich sein werden, dürfte nicht zuletzt vom Ausgang des Brexit-Dramas abhängen.


Bild: Arne List [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Die Öltanks auf den Plattformen werden zum Problem

Grundsätzlich ist es gar keine schlechte Idee, alte Öl-Bohrinseln im Meer zu lassen. Im Golf von Mexiko beispielsweise zeigte sich, dass rund um diese künstlichen Riffe schnell neue Lebensräume entstanden. Das Problem allerdings: Auf den Plattformen befinden sich noch riesige Tanks. In denen ist entweder ölhaltiges Wasser oder ölhaltiges Sediment zu finden. Es kann aber nicht garantiert werden, dass diese Behältnisse für immer dicht bleiben. Langfristig droht das dort noch enthaltene Öl daher ins Meer zu sickern. Dies ist der Grund, warum die deutschen Behörden von einer „tickenden Zeitbombe“ sprechen. Gelöst werden könnte das Problem, indem die Tanks zeitnah leer gepumpt und gereinigt werden. Dies ist technisch durchaus möglich, aber sehr aufwändig und teuer. Shell möchte daher auf diesen Schritt verzichten.

Gutachter streiten über die umweltfreundlichste Art der Entsorgung

Den Angaben des Konzerns zufolge wurden verschiedene Optionen zum Umgang mit den Plattformen geprüft. Mehrere Studien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass es am umweltfreundlichsten sei, diese im Meer zu belassen. Die Bundesregierung hat allerdings ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das zu einem ganz anderen Ergebnis kommt. Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, die Bohrinseln in einen Hafen in der Nähe zu schleppen und dort auseinander zu nehmen. Auch dies bringt aber nicht unerhebliche Kosten mit sich. Grundsätzlich ist die britische Regierung nun verpflichtet, auf die Bedenken der anderen Staaten einzugehen. Allerdings ist aktuell noch völlig unklar, wie die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach einem möglichen Brexit am 31. Oktober aussehen werden. Gut möglich, dass die Zukunft der Öl-Bohrinseln hier noch Teil der Verhandlungsmasse sein wird.


Via: The Guardian

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1 Kommentar

  1. Björn

    9. September 2019 at 10:04

    Würde mich nicht wundern wenn die „ausversehen“ gesprengt werden und es dann niemand war.
    Je nachdem wie mehr Geld gemacht, bzw. gespart werden kann.

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