Die Besitzer von Hühnerhöfen oder Tiermastanlagen sollen ihren Tieren künftig kein Kraftfutter mehr geben, sondern Proteinpulver aus industrieller Herstellung. Das würde die Umwelt massiv entlasten, sagt ein internationales Forscherteam, das in einer Studie die Auswirkungen einer Teilumstellung untersucht hat. Würden nur zwei Prozent des Viehfutters durch proteinreichen Mikroben ersetzt, könnten bereits fünf Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen, der globalen Ackerfläche und der globalen Stickstoffverluste in der Landwirtschaft vermieden werden, heißt es.


Futterproduktion mit Überschussstrom

Mikroben lassen sich mit Hilfe von Stickstoff, Energie, Synthesegas, Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid in großen Mengen züchten. In Frage kommen Pilze, Algen, Hefen und Bakterien. Den Strom könnten Solar- und Windkraftwerke liefern, die oft weit über den Bedarf hinaus produzieren. Dieser Überschussstrom, der jetzt billig verkauft oder durch Abschalten von Windenergieanlagen verhindert werden muss, ist praktisch kostenfrei.


Die Forscher simulierten ein denkbares Szenario im Jahr 2050. Wenn dann 175 bis 307 Millionen Tonnen Mikroben an Nutztiere verfüttert würden, das sind gerade mal zwei Prozent des Gesamtbedarfs an Futter, könnte das Klima bereits erheblich entlastet werden, heißt es.

Ursprünglich entwickelt für die Raumfahrt

„Entwickelt wurde diese Methode ursprünglich während des Kalten Krieges für die Raumfahrt. Energie, Kohlenstoff und Stickstoffdünger werden dabei im Labor zur industriellen Produktion proteinreicher Mikroben eingesetzt“, so der Wissenschaftler Ilje Pikaar von der University of Queensland im australischen Brisbane.– Astronautennahrung für die Rindviecher. Pikaar gehört zum Forscherteam, das von Wissenschaftlern des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet wird.

„Die Fütterung von mikrobiellem Eiweiß würde die Produktivität der Tiere nicht beeinträchtigen“, versichert Isabelle Weindl vom PIK. „Im Gegenteil, es könnte sogar positive Auswirkungen auf das Wachstum der Tiere und die Milchproduktion haben.“ Trotzdem ist unklar, ob das neue Futter, wenn es denn mal angeboten wird, bei den Landwirten ankommt, auch wenn es wahrscheinlich billiger ist als herkömmliche Futterzusätze wie Soja und Getreide.

Auch für Menschen geeignet?

„Nach weiteren Fortschritten in der Technologie könnte mikrobielles Protein aus dem Labor auch ein direkter Bestandteil unserer Ernährung werden – Astronautennahrung für jedermann“, meint Alexander Popp, Experte für Landnutzung am PIK.

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