Es war eine Auffälligkeit, die genauer untersucht werden musste: Alleine im Januar 2016 strandeten 30 Pottwale an den Küsten der Nordsee. Selbst für Experten verwirrend: Die Tiere stammten aus unterschiedlichen Gruppen und verendeten an verschiedenen Stränden. Es konnte also ausgeschlossen werden, dass ein einzelnes Leittier schlicht den falschen Weg gewählt hatte. Stattdessen musste es eine andere Ursache für das massenhafte Sterben geben. Tiermediziner haben daher insgesamt 27 der Wale obduziert und ihre Ergebnisse nun veröffentlicht. Demnach konnten einige potentielle Ursachen mehr oder weniger ausgeschlossen werden. So hatten sich einige Tiere zwar mit dem Herpes-Virus infiziert oder Parasiten eingefangen – für den Tod der Tiere war dies aber nicht ursächlich.


Foto: Gabriel Barathieu [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

In den Mägen wurde viel Plastikmüll gefunden

Ähnlich sah es beim Thema Plastikmüll aus. Dieser fand sich zwar in fast allen Mägen der Tiere, hatte aber noch keine tödlichen Auswirkungen. Auch eine Kollision mit einem Schiff konnte ausgeschlossen werden, ebenso der Kontakt mit sogenannten Geisternetzen – also im Meer treibenden alten Fischernetzen. Es wäre zudem denkbar gewesen, dass gewisse externe Faktoren – etwa ein Seebeben oder erhöhte Wassertemperaturen – die Orientierung der Tiere durcheinander gebracht haben. Aber auch diesen Ansatz bezeichneten die Wissenschaftler im Anschluss an ihre Untersuchungen als unwahrscheinlich. Letztlich mussten sie also konstatieren: Es gab nicht den einen alles erklärenden Faktor, der zum Tod der Tiere führte. Vielmehr ist die Nordsee generell ein Gefahrengebiet für Pottwale.

Die Wale finden in der Nordsee keine Nahrung

Denn diese jagen eigentlich in der Tiefsee nach Nahrung und kommen daher in den seichten Gewässern der Nordsee nicht so gut zurecht. Verschlimmert wird dieses Problem durch die sich nur langsam absenkende Küste. Außerdem finden die riesigen Wale in den Gewässern der Nordsee kaum Nahrung. Dies zeigte sich auch bei den untersuchten Tieren. Diese hatten in der Regel zuletzt vor der Küste Norwegens etwas gefressen. Anschließend schwammen sie in die Nordsee, ohne zu wissen, dass die Bedingungen dort eher suboptimal sind. Die an der Untersuchung beteiligten Forscher sprechen daher auch von einer „Falle“, die eine tödliche Gefahr für alle tauchenden Wale darstellt.


Via: Spektrum

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1 Kommentar

  1. Jan

    10. August 2018 at 14:27

    Eine der Hauptursachen für Strandungen der Wale ist Sonar.

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