Kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center im September 2001, sahen sich die Vereinigten Staaten einer weiteren terroristischen Bedrohung ausgesetzt: Mehrere Politiker, Nachrichtenstudios und Regierungsbeamte erhielten Briefe, die mit Erregern des Anthrax-Virus präpariert waren. Insgesamt fünf Menschen verloren ihr Leben.  Forscher des „Massachusetts Institut of Technology“ wollen dieses tödliche Virus nun in der Krebs-Therapie zum Einsatz bringen. Dabei machen sie sich eine besondere Eigenheit des Anthrax-Erregers zu Nutze: Dieser dringt gezielt in Zellen des menschlichen Körpers ein und verteilt dort giftige Proteine.


Antikörper sollen Zellwachstum stoppen

In einem Aufsatz für das Journal ChemBioChem, beschrieben die Forscher aus Boston wie sie, mit Hilfe dieser Fähigkeit, ein aktuelles Problem der Krebsforschung lösen möchten. Die Krebs-Medizin setzt nämlich große Hoffnungen in die Wirkung so genannter Antikörper-Therapien. Dabei werden die Antikörper eingesetzt, um gezielt Stoffwechselsignale von Krebszellen zu unterbrechen und damit das Wachstum der Zellen zu stoppen. Das Problem dabei: Bisher gestaltet es sich sehr schwierig, die Antikörper in die entsprechenden Zellen zu transportieren.


Hier kommt der Anthrax-Erreger ins Spiel. Die Forscher haben eine entschärfte Version des Virus entwickelt, die für den Menschen nicht mehr schädlich ist – die Fähigkeit in Zellen einzudringen aber behalten hat. Diese harmlose Version des Virus soll mit Antikörpern ausgestattet werden und in die entsprechenden Zellen eindringen. Dort können die Antikörper dann ihre segensreiche Wirkung entfalten. Zunächst allerdings muss die neue Methode noch die üblichen Testreihen durchlaufen: Aktuell wird die neue Behandlungsmöglichkeit an Mäusen getestet – einen Zeitplan für den Einsatz bei menschlichen Patienten gibt es noch nicht.

Anthrax-Anschläge sorgten für großes Forschungsbudget

Die Hintergründe der Anthrax-Anschläge im September 2011 wurden nie vollständig aufgeklärt. Die US-Regierung aber reagierte mit dem Aufbau des Projekts „BioShield“. Dazu wurden Milliarden bereitgestellt, um Impfstoffe und Abwehrmaßnahmen gegen potentielle Bio-Kampfstoffe zu entwickeln. Neben den Anthrax-Erregern stand dabei auch ein weiteres gefährliches Virus auf der Liste: Ebola. Die Medikamente, die aktuell – auf experimenteller Basis – im Kampf gegen das Ebola-Virus in Westafrika zum Einsatz kommen, entstammen Forschungsarbeiten, die mit Geldern des „BioShield“ gefördert wurden.

Quelle: MIT

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