Für die Weltgemeinschaft ist es wahrlich kein Ruhmesblatt: Obwohl die Tuberkulose grundsätzlich behandelt werden kann, sterben weltweit noch immer drei Menschen pro Minute an der tückischen Lungenkrankheit. In Deutschland ist die Thematik allerdings in den Medien nur selten präsent. Dies liegt in erster Linie an den niedrigen Fallzahlen hierzulande: Jährlich gibt es rund 6.000 Erkrankungen, wovon 100 tödlich enden. Weltweit allerdings kommt es noch immer zu zahlreichen Neuansteckungen. Rein statistisch gibt es jeden Tag 28.000 neue Tuberkulosefälle. Die Gründe, weshalb die gefährliche Krankheit noch nicht ausgerottet werden konnte, sind vielschichtig. Experten verweisen aber in der Regel vor allem auf die folgenden 5 Punkte:


1. Zu wenig Geld für die Forschung!

Der Erreger der Tuberkulose hat besonders dicke Zellwände und versteckt sich oftmals in vom Blut nicht zu erreichenden Kavernen. Viele bei anderen Krankheiten wirksame Antibiotika können daher nicht verwendet werden. Weil somit nur wenige Wirkstoffe zur Verfügung stehen, steigt die Gefahr von Resistenzbildungen. Nötig wäre daher die Entwicklung neuer Antibiotika. Doch für die meisten Pharmafirmen ist dies nicht lukrativ genug. Der Kampf gegen die Tuberkulose steht zudem nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit: Die Summe der Forschungsgelder liegt nur rund halb so hoch wie bei HIV bzw. Aids. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert daher bereits seit einiger Zeit, rund eine Milliarde Euro mehr pro Jahr für die Erforschung neuer Tests und Medikamente im Bereich der Tuberkulose zure Verfügung zu stellen.


2. Nicht alle Patienten können behandelt werden!

Auch bei der Behandlung von Patienten fehlt oftmals das Geld. Hier schätzt die WHO die Unterfinanzierung sogar auf zwei Milliarden Dollar jährlich. Unbehandelte Patienten sterben nicht nur selbst oftmals an der Krankheit, sondern stecken auch zahlreiche weitere Menschen an. So kommt es teilweise zu Epidemien, die durch ein zeitnahes Einschreiten hätten verhindert werden können. Verkompliziert wird die Situation durch Staaten, in denen kein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem zur Verfügung steht.

3. Die Bakterien verstecken sich lange Zeit!

Theoretisch ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit den Bakterien infiziert. Bei weitem nicht alle zeigen aber auch die Symptome. Oftmals schlummern die Erreger etwa in der Lunge und treten erst dann in Aktion, wenn das Immunsystem des Körpers ohnehin geschwächt ist. Dies kann etwa bei einer Aids-Erkrankung der Fall sein. Somit führt die Ausbreitung der einen Krankheit, dann auch zu mehr Fällen der anderen.

4. Die Behandlung benötigt viel Zeit!

Die Tuberkulose-Bakterien teilen sich nur sehr langsam. Dies bedeutet: Die Behandlung mit Antibiotika muss deutlich länger dauern als bei anderen Infektionskrankheiten. Wie lange genau, können die Ärzte aber oftmals nur schätzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Behandlung von Seiten des Patienten zu früh beendet wird – etwa weil die Symptome verschwinden. Die Unterfinanzierung des Kampfs gegen die Tuberkulose trägt ebenfalls zu dieser Problematik bei.

5. Individualisierte Behandlungen stehen noch am Anfang!

Heute kann bereits für rund 50 Euro das Erbgut des Tuberkulose Erregers sequenziert werden. Anschließend ist ein Algorithmus dann in der Lage, die Antibiotika zu benennen, gegen die keine Resistenz besteht. Letztlich hätte dies zwei positive Effekte: Die Behandlung selbst wird effektiver und die Verbreitung von Resistenzen wird unterbunden. Bisher ist ein solcher Ansatz bei der WHO aber noch nicht vorgesehen. Stattdessen kommen standardisierte Schemata zum Einsatz.

In einigen Punkten gibt es Hoffnung

Doch nicht alles ist hoffnungslos im Kampf gegen die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. So haben die G20 in ihrer letzten Abschlusserklärung das Thema auf die internationale Agenda gesetzt. Mit dem Global TB Caucus gibt es zudem eine Initiative von Parlamentariern aus 130 Ländern, die weltweit den Kampf gegen die Tuberkulose vernetzen und verbessern wollen. Und zuletzt gibt es zukünftig vielleicht zumindest ein bisschen mehr Geld. Die „Global Antibiotic Research & Development Partnership“ soll mit staatlichen Geldern die Erforschung neuer Antibiotika vorantreiben. Allerdings nicht nur für die Tuberkulose, sondern auch für andere Erkrankungen. Die Bundesregierung hat zugesagt, sich mit zunächst 50 Millionen Euro an der Finanzierung zu beteiligen.

Via: Zeit

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