Die restriktive EU-Gesetzgebung blockiert den Erhalt der Saatgutvielfalt. Zahlreiche alte Sorten, die Kleingärtner und Lebensmittelfreunde so sehr lieben, sind dadurch bedroht, denn sie wurden aus dem Sortenkatalog geworfen und dürfen nicht mehr offiziell in den Handel gelangen. Verschiedene Kampagnen stellen sich gegen das Verschwinden alter Pflanzensorten.


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Saatgut ist Kulturgut! Und viele sagen, es sei ein Menschenrecht …

Die großen Konzerne drängen sich mit aller Macht auf den Saatgutmarkt, die EU-Gesetzgebung macht es ihnen leicht. Viele der von ihnen verkaufte Produkte bringen nur noch hybride Pflanzen hervor, die keine keimfähigen Samen mehr bilden. Der Effekt: Landwirte und Gärtner müssen immer wieder neues Saatgut kaufen und können ihr Gemüse und Obst nicht mehr selbst vermehren. Noch dazu verschwinden schmackhafte und gesunde traditionelle Sorten allmählich aus den Gärten und geraten in Vergessenheit. Doch Saatgut ist Kulturgut – und viele Naturfreunde sehen es als ihr Menschenrecht an, sich aus dem eigenen Garten biologisch sinnvoll und konzernunabhängig zu ernähren! Darum haben sich beispielsweise die »Tomatenretter« gegründet, die in Hamburg zahlreiche alte Tomatensorten anbauen und diese mittels Patenschaften finanzieren. Das Ziel: einen frei zugänglichen Saatgutschatz aufzubauen, denn die private Weitergabe von Samen außerhalb des Sortenkatalogs ist weiterhin erlaubt. So bleiben Uromas Tomaten »bei uns hinterm aus« und »auf Lisas Balkon« langfristig erhalten! Die Tomatenretter planen in Zukunft auch, Land für den unabhängigen Anbau freizukaufen und somit die Anbaugebiete zu vergrößern.

Eine Karriere, die sich lohnt: Werde ein Sorten-Begleiter!

Die traditionellen Tomatensorten bilden nur eine von vielen Pflanzenarten, die es zu retten gilt. Der österreichische Verein ARCHE NOAH setzt sich dafür ein, ein breites Spektrum an Saatgut zu erhalten, das sonst dem Untergang geweiht wäre. Jeder, der mitmachen wenn, kann sich hinzugesellen: Man stellt einfach einen Mitgliedschaftsantrag und betätigt sich zuerst als sogenannter »Erhalter«. Zum Preis von Porto und Verpackung kommt ein schönes Saatgutpäckchen per Post ins Haus geflattert, dann beginnt die Gartenarbeit. Ist alles gut gelaufen, schickt der Erhalter einen Teil seines geernteten Saatgutes und einen ausgefüllten Fragebogen zurück an die ARCHE NOAH, fertig! Essen und weiter vermehren dürft ihr selbstverständlich auch noch. Die Erfahrenen unter euch steigen später zum Samenarchiv-Gärtner oder sogar zum Sorten-Begleiter auf: eine »Karriere«, die sich wirklich lohnt – und zwar nicht nur für den Kleingärtner selbst. Wer sich zu diesem Thema weiter schlaumacht, der wird schnell bemerken, dass es noch viele weitere Projekte gibt, an denen er sich beteiligen kann.


Hier präsentieren wir euch eine Liste von Saatguthändlern, die genetisch unveränderte Samen verkaufen. Diese Sorten haben es immerhin auf die offiziellen Listen geschafft, doch wer weiß, wie lange sie dort noch bleiben?

Quellen: tomatenretter.de, saatgutkampagne.org, arche-noah.at, dreschflegel-verein.de

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