In China bricht Mitte Februar das neue Jahr an. Millionen Einwohner werden diesen Anlass nutzen, um ihre Familien in den Heimatstädten zu besuchen. Ähnlich wie vor und nach Weihnachten in Deutschland ist also mit einem erheblichen Reiseverkehr zu rechnen. Schon jetzt steht fest: An den Bahnhöfen werden immer wieder auch Polizisten mit einer etwas ungewöhnlich aussehenden Brille zu finden sein. Der Grund dafür ist allerdings nicht die besonders starke Sonnenstrahlung. Vielmehr ist in den Brillen Technik zur automatischen Gesichtserkennung integriert. Innerhalb weniger Sekunden können vorbeigehende Reisende so kontrolliert werden. Offiziellen Angaben zufolge soll die Technik vor allem genutzt werden, um Personen zu identifizieren, die mit gefälschten Ausweisen unterwegs sind.


Flagge China
Foto: Alexander Trisko

Innerhalb weniger Sekunden erfolgt der Abgleich mit der Datenbank

Mehr oder weniger als Beifang konnten aber auch bereits Verdächtige festgenommen werden, gegen die ein Haftbefehl vorlag. Entwickelt und produziert wurden die Brillen von der Pekinger Firma „LLVision Technology Co.“. Unter idealen Bedingungen kann die Technologie innerhalb von 100 Millisekunden ein erfasstes Gesicht mit einer Datenbank von 10.000 gespeicherten Personen abgleichen. Auf den Bahnhöfen kann der Vorgang allerdings aufgrund der Umwelteinflüsse auch schon einmal etwas länger dauern. Die für den Abgleich genutzte Datenbank muss zudem von den Polizisten auf einem eigenen kleinen Gerät mitgeführt werden. Auf eine cloudbasierte Lösung wurde verzichtet. Kritiker warnen, dass der chinesische Staat so noch mehr Bürger überwachen kann und die Technik zukünftig vor allem gegen politische Aktivisten und verfolgte Minderheiten zum Einsatz kommen könnte.

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Zuletzt aktualisiert am 20.06.2018

Die gewonnenen Daten könnten für den Verhaltensscore der Regierung genutzt werden

Tatsächlich arbeitet die chinesische Regierung aktuell an einer Art Verhaltensscore, für den möglichst viele Aktivitäten der Einwohner erfasst werden sollen. Wer etwa nicht regelmäßig seine Eltern besucht oder bei offiziell freiwilligen Baumpflanzaktionen fehlt, soll zukünftig mit einem Punktabzug bestraft werden. Außerdem soll künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, um aus den riesigen Datenmengen eine Prognose über zukünftiges Fehlverhalten abzuleiten. In diesem Zusammenhang ist es durchaus bedenklich, dass die Behörden davon sprechen, mit den Sonnenbrillen könnten Bereiche erfasst werden, die bisher von fest installierten Kameras nicht erreicht werden. Datenbrillen werden allerdings nicht nur in China entwickelt. Bekanntestes Beispiel ist Google Glass. Die Brille wurde von Privatkunden zwar weitgehend verschmäht, erlebt aktuell aber ein Comeback in der Industrie.

Via: Engadget


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