Das Dorf Geiranger liegt im malerischen Geirangerfjord an der Westküste Norwegens. Im Winter leben dort lediglich rund 200 Menschen. Im Sommer allerdings kann es ganz schön voll werden. Insgesamt steuerten im vergangenen Jahr 217 Kreuzfahrtschiffe das Örtchen an. Grundsätzlich ist dies für die Region kein schlechtes Geschäft. Denn die riesigen Schiffe zahlen schon für eine Liegezeit von wenigen Stunden rund 18.000 Euro Liegegebühr. Zusätzlich sorgen die rund 380.000 per Schiff anreisenden Touristen auch noch für wertvolle Einnahmen in den lokalen Geschäften. Eine Schattenseite gibt es allerdings auch: Denn die Luftverschmutzung in dem eigentlich fast menschenleeren Fjord liegt inzwischen so hoch wie in der Hauptstadt Oslo. Die norwegische Regierung hat daher nun per Gesetz die Reißleine gezogen.


Foto: Hajotthu (Own work), CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Kreuzfahrtschiffe werden bereits fleißig nachgerüstet

Seit diesem Frühjahr dürfen nur noch vergleichsweise saubere Kreuzfahrtschiffe in fünf besonders belastete Fjorde einfahren. Konkret bedeutet dies: Die Schiffe dürfen kein Schweröl mehr verfeuern, müssen ihre Kloake woanders ablassen und außerdem neue Grenzwerte für den Ausstoß von Schwefel und Stickoxiden erfüllen. In den Jahren 2020, 2022 und 2025 sollen die Vorgaben zudem weiter verschärft werden. Kurzfristig führte dies zu einigen Absagen. Denn vor allem Kreuzfahrtschiffe, die noch im vergangenen Jahrtausend gebaut wurden, erfüllen die Vorschriften nicht. Mittelfristig dürfte dies aber kein Thema mehr sein. Denn die Branche hat bereits reagiert und mit der Nachrüstung ihrer Schiffe begonnen. So werden unter anderem hybride Abgasreinigungssysteme verbaut. Auch in den nächsten Jahren dürften also noch genug Kreuzfahrtschiffe den Geirangerfjord ansteuern.

Busse statt Kreuzfahrtschiffe sind keine Lösung

Ab dem Jahr 2026 könnte es allerdings kritisch werden. Denn dann will die norwegische Regierung nur noch strom- oder wasserstoffbetriebene Boote in die Fjorde lassen. Entsprechende Kreuzfahrtschiffe gibt es aber noch nicht. In Geiranger wird daher bereits fieberhaft über Lösungen für das Problem nachgedacht. Denkbar wäre beispielsweise, dass die großen Schiffe etwas außerhalb parken und die Passagiere dann mit kleineren Elektrobooten in den Fjord einfahren. Unklar ist allerdings noch, ob sich die Kunden auf eine solche Lösung einlassen würden. Tun sie dies nicht, droht den Stadtvätern von Geiranger ein Desaster. Denn der Ort ist nur über eine enge Serpentinenstraße aus den 1970er Jahren zu erreichen. Kommen zukünftig mehr Touristen mit dem Bus anstatt mit dem Schiff, droht hier ein vollständiger Verkehrskollaps. Noch aber sind ein paar Jahre Zeit, um eine kreative Lösung zu finden.


Via: FAZ

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