Auch bei der Beförderung von Personen und Gütern kündigen sich in den nächsten Jahren einschneidende Veränderungen an. Dies beginnt bei der Form des Antriebs: Laute und viele Emissionen verursachende Dieselmotoren werden immer kritischer gesehen. Gleichzeitig ist die Elektrifizierung des Antriebs noch schwieriger als bei normalen Autos, weil ganz andere Lasten bewegt werden müssen. Hinzu kommt die Thematik des autonomen Fahrens. Diese könnte nicht nur für mehr Sicherheit sorgen, sondern auch den schon fast chronischen Personalmangel in der Branche lindern. Und zu guter Letzt sind die Ansprüche der Kunden sowohl in der Logistik als auch in der Personenbeförderung stark gestiegen. Auf einem Innovation Day im schwedischen Södertälje hat der Traton-Konzern nun verschiedene innovative Lösungsansätze für die skizzierten Probleme präsentiert.


  • Mehr Informationen über den Traton Innovation Day findet ihr auch auf unseren Auftritten bei Instagram und Facebook.

Was ist eigentlich Traton?

Unter dem  Namen Traton hat der Volkswagen-Konzern seine Aktivitäten im Bereich der Nutzfahrzeuge gebündelt. Konkret mit Leben gefüllt wird die Struktur von den Marken MAN, Scania und Volkswagen Caminhões e Ônibus (VWCO). Innerhalb des Unternehmens gibt es zudem eine Art Arbeitsteilung. Scania forscht besonders stark im Bereich der alternativen Antriebsformen, MAN wiederum setzt auf eine breite Produktpalette vom Transporter bis zum riesigen LKW und VWCO konzentriert sich auf Lösungen mit einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Gemeinsam sind die drei Marken nicht nur Europas größter Anbieter von Nutzfahrzeugen, sondern auch so etwas wie der Hoffnungsträger des Kontinents. Denn im Bereich der Elektromobilität scheinen aktuell chinesische Anbieter die Nase vorn zu haben, während der Bereich des autonomen Fahrens zumindest in Sachen Schlagzeilen von US-Firmen dominiert wird.


Der autonome Elektro-Bus steht unmittelbar vor dem ersten Praxistest

In Södertälje war nun zu sehen, wie eine mögliche europäische Antwort aussehen könnte. So präsentierte Scania einen Bus, der seine Passagiere vollkommen autonom und elektrisch ans Ziel bringt. Die Ingenieure haben das Gesamtpaket zudem an die Bedürfnisse der potentiellen Käufer angepasst. So verfügt der Bus nur über eine vergleichsweise kleine Reichweite. Dafür ist die Batterie aber an der jeweiligen Endstation – dank 400KW-Ladeleistung – innerhalb von wenigen Minuten wieder aufgeladen. Der erste Praxistest ist auch schon terminiert: Ende des Jahres soll der Bus Passagiere im Großraum Stockholm autonom und emissionsfrei von einem Wohngebiet bis zur nächsten Metro-Station transportieren – und wieder zurück. Erweist sich der Test als Erfolg, könnten die Busse dann auch in Deutschland vermarktet werden, wo die meisten Elektrobusse bisher von chinesischen Herstellern stammen.

Ein Konzept-Bus verdeutlicht die zukünftigen Möglichkeiten

Allerdings zeigt der jetzt präsentierte Bus unfreiwillig auch, dass die Entwicklungsmöglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Denn obwohl er autonom fahren kann, gibt es noch immer eine Fahrerkabine. Theoretisch ergeben sich aber bei einem autonomen Elektrobus ganz neue Möglichkeiten in Sachen Design und Gestaltung. Denn nicht nur die Fahrerkabine wird überflüssig. Auch die Motoren und die Batterie befinden sich unterhalb des Bereichs für die Fahrgäste, sodass dort deutlich mehr Platz entsteht. Wie dieser genutzt werden könnte, zeigte Traton in einem Konzept-Bus der Zukunft. Dort gab es Sitzgruppen anstelle von dicht getakteten Zweierreihen sowie innovative digitale Informationsmöglichkeiten. Die Busfahrt könnte so deutlich angenehmer werden. Allerdings ist das vorgestellte Konzept auch noch weit von der Serienreife entfernt.

Die Branche steht am Anfang einer revolutionären Entwicklung

Außerdem präsentierte Scania einen fahrerlosen Muldenkipper, der vor allem im Tagebau zum Einsatz kommen könnte. MAN wiederum kündigte eine Kooperation mit dem Hamburger Hafen an. Dort sollen Lastwagen zukünftig hochautomatisiert Waren transportieren. All diese Entwicklungsansätze klingen hoch spannend und haben das Potential, die Branche zu revolutionieren. Noch aber steht man relativ weit vorne im Entwicklungszyklus. Für Traton ist dies Chance und Herausforderung zugleich. Denn zum einen ist das Fell noch lange nicht verteilt und es besteht die realistische Möglichkeit zu einem globalen Champion im Bereich des autonomen sowie emissionsfreien Waren- und Güterverkehrs aufzusteigen. Zum anderen bringen technologische Umwälzungen aber auch immer einen gewaltigen Investitionsbedarf mit sich. Hier aber sieht sich Traton, nicht zuletzt aufgrund des erfolgreichen Börsengangs, gut gerüstet.

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