Das Startup Ottonova hat seit seiner Gründung im vergangenen Sommer viel probiert, um potentielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Die Palette reichte von klassischer PR-Arbeit, über zahlreiche Plakatwände bis hin zu einer umfassenden Bannerkampagne mit Frank Thelen als Werbegesicht. Doch die nun von dem Unternehmen veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen: Zumindest in den ersten sechs Monaten konnten nur wenige Kunden für die neue Form der privaten Krankenversicherung begeistert werden. So verzeichnete das Startup bis Ende vergangenen Jahres gerade einmal Beitragseinnahmen in Höhe von 31.000 Euro. Demgegenüber standen alleine 302.000 Euro, die zur Erfüllung der versprochenen Versicherungsleistungen ausgezahlt werden mussten. Hinzu kamen noch Ausgaben für Mitarbeiter, Marketing und weitere Fixkosten. Unter dem Strich blieb so ein Verlust in Millionenhöhe.


Glaubt an das Geschäftsmodell von Ottonova: Investor Frank Thelen.

Die Kosten pro Neukunde sind noch deutlich zu hoch

Das Management versichert aber, dass inzwischen die Zahl der Kunden zumindest ein wenig gesteigert werden konnte – und nun im dreistelligen Bereich liegt. Auch dies ist für eine Firma, die den Markt für private Krankenversicherungen revolutionieren will noch nicht gerade viel. Dies hat aber auch mit der speziellen Struktur in der Branche zu tun. So entscheiden sich die meisten Menschen nur ein – oder maximal zwei – Mal in ihrem Leben für eine Krankenversicherung – und bleiben dieser dann treu. Die Schwierigkeit für Ottonova besteht nun darin, genau in diesem Moment bei den potentiellen Kunden präsent zu sein. Zu Beginn versuchte das Management offensichtlich, dies mit viel Geld zu erreichen. Die Kosten pro gewonnenem Neukunden sollen teilweise bei bis zu zehntausend Euro gelegen haben. Langfristig will das Startup hier aber einen Wert von 1.500 Euro erreichen.

Eine langfristige Kundenansprache ist wichtig

Hinzu kommt eine weitere Problematik: Weil die Entscheidung nur so selten getroffen wird, machen sich die Menschen zuvor länger Gedanken darüber. Vom ersten Kundenkontakt – etwa über eine Bannerwerbung – bis hin zum Vertragsabschluss können daher schon einmal mehrere Monate vergehen. So lange am Ball zu bleiben ist alleine mit digitalen Mitteln gar nicht so einfach. Nicht umsonst haben die anderen Anbieter dafür ein großflächige Makler-Netzwerk aufgebaut. Es bleibt also spannend zu beobachten, wie sich die digitale Revolution im Bereich der privaten Krankenversicherung weiter entwickeln wird. Frank Thelen soll von dem Produkt jedenfalls wirklich überzeugt sein und sich über das Investorennetzwerk btov an dem Startup beteiligt haben.


Via: Ottonova (PDF)

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1 Kommentar

  1. Rainer Smieskol

    28. Juli 2018 at 09:56

    Hallo und guten Morgen

    die Digitalisierung macht noch keine Krankenversicherung aus.

    Der Gesetzgeber mit Unterstützung der Medien und die Sozialisten um Lauterbach herum, einschliesslich des Vorstandes der TKK und die Sprüche des sog. Verbraucherschutzes führen gewollt zu einer falschen Wahrnehmung der PKV bei den Bürgern. Seit Jahrzehnten wird der Untergang der PKV geradezu herauf beschworen, eine negative Dauerkampagne.
    Und dann die Vorstellung zu entwickeln, dass die Menschen auf Grund der Digitalisierung sich für die PKV entscheiden, ist nicht nachvollziehbar. Unter diesen Vorzeichen Millionen in ein solches Projekt zu stecken ist nicht mutig sondern recht dumm. Und tschüss Ottonova.

    Der Verfasser dieses Artikels ist seit über 50 Jahren mit diesem Thema beruflich wie auch privat beschäftigt.

    mfg Rainer Smieskol

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