Am 31. Oktober 2018 soll es soweit sein: Am Ufer der Sardar-Sarovar-Talsperre im indischen Bundesstaat Gujarat wird dann ein neues Denkmal eingeweiht. Es handelt sich um eine Darstellung des Unabhängigkeitskämpfers Vallabhbhai Patel, die insgesamt 182 Meter hoch ist – und damit rund doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. In Auftrag gegeben wurde das Projekt im Jahr 2013 durch den damaligen Regierungschef des Bundesstaats Narendra Modi. Dieser ist inzwischen zum Ministerpräsidenten von ganz Indien aufgestiegen und gilt als Anhänger eines Hindu-Nationalismus. Patel wurde daher wohl auch nicht ganz zufällig ausgewählt, denn dieser wird vor allem von der Hindu-Mehrheit des Landes verehrt. Im indischen Unabhängigkeitskampf spielte er an der Seite von Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru eine wichtige Rolle.


Vallabhbhai Patel um das Jahr 1940. Bild: Gemeinfrei

Patel wird von den Hindu-Nationalisten vereinnahmt

Ihm wird vor allem der Erfolg zugeschrieben, die rund 550 eigenständigen Fürstentümer, die unter britischer Oberherrschaft in Indien existierten, von einer gemeinsamen indischen Union überzeugt zu haben. Erster Premierminister des unabhängigen Indiens wurde dann aber nicht Patel, sondern Nehru – eine Tatsache, die Modi bis heute ausdrücklich bedauert. In den letzten Jahrzehnten wurde Patel schließlich von den Hindu-Nationalisten im Land immer stärkt verehrt. Dies hängt weniger mit seinen tatsächlichen Positionen zusammen, sondern mehr mit der Tatsache, dass er als Gegenspieler Nehrus angesehen wird, der – ähnlich wie Gandhi – stets für ein säkulares Indien eingetreten ist. Auch deshalb wird das Denkmal teilweise kritisiert. Denn seit der Machtübernahme Modis haben die Spannungen zwischen Hindus uns Muslimen im Land ohnehin zugenommen.

In Mumbai steht schon der nächste Rekord an

Ein anderer Kritikpunkt sind die enormen Kosten des Projekts. So flossen in das Denkmal umgerechnet insgesamt 355 Millionen Euro – und damit mehr als vier mal so viel wie in die erste Marssonde des Landes. Nicht wenige Inder sind der Ansicht, dass das Geld im Bildungs- oder Gesundheitssektor besser aufgehoben wäre. Zumal in Mumbai gleich noch ein ähnliches Großprojekt ansteht: Dort soll eine riesige Reiterstatue den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Hindu-Führer Shivaji Maharaj darstellen. Gebaut wird aber nicht mitten in der Stadt, sondern auf einer Insel rund zwei Kilometer vor der Küste. Dort dürfen sich die Planer dann richtig austoben. Die Höhe des Denkmals wird den Planungen zufolge bei bisher unerreichten 212 Metern liegen. Die Kosten werden mit 430 Millionen Euro angegeben.


Via: The Guardian

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.