Die Consumer Electronics Show in Las Vegas konnte auch in diesem Jahr wieder mit einigen interessanten Innovationen aufwarten. Die vielleicht spektakulärste Nachricht: IBM präsentierte den ersten kommerziell nutzbaren Quantencomputer. Die Technologie, die bisher nur im Labor zum Einsatz kam, soll so erstmals in reale Geschäfts- und Forschungsprozesse integriert werden. Experten warnen allerdings vor verfrüher Eurphorie. Zwar stellt der Quantencomputer von IBM einen wichtigen Zwischenschritt dar, doch die mit der Entwicklung von Quantencomputern verbundenen Hoffnungen kann er noch nicht erfüllen. Dies zeigt sich schon an einer einfachen Tatsache: Der neue Rechner kann leistungsmäßig noch nicht mit den besten konventionellen Computern mithalten.


Der Forschungsfortschritt verläuft niemals linear

Tatsächlich würde ein Quantencomputer mit einer Leistungsfähigkeit von 50 Qbits benötigt, um die klassischen Supercomputer bei bestimmten Berechnungen zu schlagen. Das Modell von IBM verfügt aber lediglich über knapp die Hälfte. Die Differenz mag für den Laien auf den ersten Blick nicht besonders groß erscheinen. Diese Sichtweise verändert sich aber, wenn man den zeitlichen Horizont mit einbezieht: Von den ersten Ideen in den 1970er Jahren bis zu dem 20-Qbit-Computer von IBM jetzt dauerte es fast fünfzig Jahre! Zwar wurden in den letzten fünf Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht, die auf schnelle Weiterentwicklungen hoffen lassen. Doch die Geschichte zeigt: Auf solche Phasen mit vielen Durchbrüchen folgen in der Regel Perioden der Stagnation. So schien die Idee eines Quantencomputer zu Beginn der 2000er Jahre schon abgeschrieben, weil sich keine Fortschritte mehr einstellen wollten.


Kontroll-Qbits verkomplizieren die Sache zusätzlich

Hinzu kommt eine weitere Problematik: Die Infrastruktur eines Quantencomputers ist extrem fragil. Schon kleinste Störungen können zu hardwarebedingten Rechenfehlern führen. Um die volle Funktionsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten muss daher jeder rechnende Qbit noch einmal von zahlreichen Kontroll-Qbits überwacht werden. Dadurch aber wird der zu bauende Quantencomputer deutlich größer und komplexer. Bisher muss man daher sagen: Bis ein Quantencomputer tatsächlich in der Lage sein wird, den RSA-Verschlüsselungsstandard zu knacken, dürften noch Jahre und wahrscheinlich sogar Jahrzehnte vergehen. Warum aber hat IBM dann überhaupt ein kommerzielles Produkt auf den Markt gebracht? Die Antwort ist recht einfach: Die Nutzer sollen Erfahrungswerte sammeln, die dann für die Weiterentwicklung der Technologie genutzt werden können.

Via: Spektrum

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.