Es war einer der überraschenderen Momente in der zweiten Staffel der Höhle der Löwen: Der Auftritt der Payment-App Lendstar war zwar durchaus solide, doch die ersten vier Investoren hatten sich bereits verabschiedet. Der Markt schien ihnen zu hart umkämpft zu sein. Als wohl kaum noch jemand mit einem Investment rechnete, meldete sich aber Jochen Schweizer zu Wort und zahlte letztlich tatsächlich 250.000 Euro für 6,14 Prozent des Unternehmens. Dieses Geld muss der ehemalige Stuntman nun aber wohl abschreiben. Denn Lendstar hat am Dienstag Insolvenz angemeldet. Damit ist Gründer Christopher Kampshoff nicht alleine: Erst vor wenigen Wochen ging es dem DHDL-Startup Popcornloop genauso. Dort hatten Judith Williams und Georg Kofler investiert.


Foto: VOX/Sony

Zahlreiche große Konzerne machen den Startups das Leben schwer

Lendstar ist eine P2P-Payment-App. Kunden können damit untereinander Geld versenden, Online-Rechnungen begleichen, Geld für gemeinsame Geschenke einsammeln oder auch in einigen Shops direkt bezahlen. Für den Nutzer ist all dies kostenlos. Das Startup wollte sich vor allem durch Kooperationen mit Banken und Transaktionsgebühren finanzieren. Dieses Geschäftsmodell erwies sich offensichtlich aber als nicht wachstumsstark genug. Zumal mit Google Pay, Apple Pay, PayPal und Payback Pay auch zahlreiche große Konzerne mit ähnlichen Lösungen auf den Markt gekommen sind. Letztlich plante der Gründer gemeinsam mit seinen Investoren den Verkauf des Startups. Als die dafür geführten Gespräche nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten, folgte schließlich der Gang in die Insolvenz. Vorerst kann die App aber mit allen Funktionen weiter genutzt werden.

Das Startup hatte keine Aussicht auf Gewinne

Wie viele Nutzer Lendstar tatsächlich hat, wurde bisher nicht öffentlich kommentiert. Im vergangenen Jahr brachte es das Startup aber zumindest auf einen Umsatz im mittleren sechsstelligen Bereich und wickelte ein Transaktionsvolumen in Millionenhöhe ab. Das Wachstum war allerdings nicht stark genug, um die App langfristig profitabel betreiben zu können. Weil die bestehenden Investoren auch keine finanziellen Mittel für eine weitere Expansion zur Verfügung stellen wollten, blieben für Lendstar nur zwei Optionen: Der Verkauf an einen neuen Investor oder die Insolvenz. Letztlich handelt es sich um ein weiteres Beispiel dafür, dass sich millionenschwere Bewertungen für Startups – Schweizer investierte bei einer Unternehmensbewertung von mehr als vier Millionen Euro – auch schnell wieder in Luft auflösen können.


Via: Lendstar

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Westernsoft

    30. August 2018 at 09:29

    Cringle (www.cringle.net) ist auch zum Amtsgericht gelaufen – vielleicht sollten sich beide Plattformen zusammen tun (spart Kosten und vergrößert die Nutzerbasis). Ich finde es nicht gut, dass es damit nur noch amerikanische und chinesische Anbieter gibt – bei denen Datenschutz leider ein Fremdwort ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.