Heute vor 33 Jahren explodierte Block 4 im Kernkraftwerk von Tschernobyl. Es handelte sich um die schlimmste Atomkatastrophe in der Geschichte der Menschheit. Mehr als zwei Jahrzehnte später zeigte sich dann im japanischen Fukushima, dass ein solcher Unfall auch in anderen Ländern passieren kann. Dennoch wird weltweit an einer Art Renaissance der Atomkraft gearbeitet. Die russische Regierung hat vor einiger Zeit sogar alte Pläne aus Sowjetzeiten aus der Schublade geholt und mit dem Bau eines schwimmenden Atomkraftwerks begonnen. Die „Akademik Lomonossow“ wurde inzwischen fertiggestellt und bereits am 31. März erfolgreich getestet. Die Plattform verfügt allerdings über keinen eigenen Antrieb, sondern muss von Schleppern an den jeweiligen Einsatzort gebracht werden.


Ein Modell eines schwimmenden Atomkraftwerks. Foto: Felix [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Stromversorgung in Sibirien soll verbessert werden

Gebaut wurde das schwimmende Atomkraftwerk mit einer Länge von 144 Metern und einer Breite von rund 30 Metern in einer Werft in Sankt Petersburg. Im Sommer soll die Plattform nun nach Sibirien gebracht werden und dort die Stadt Pewek und umliegende Öl- uns Gasbohrinseln mit Strom versorgen. Offiziellen Angaben zufolge verfügt das Kernkraftwerk über eine Leistungsfähigkeit von 70 MW. Ganz von alleine läuft die Anlage allerdings nicht. Den aktuellen Planungen zufolge werden rund 70 Mitarbeiter benötigt, um das schwimmende Kraftwerk zu betreiben. Die Befürworter des Projekts argumentieren, dass auf diese Weise abgelegene Regionen besser mit Elektrizität versorgt werden können. Sollte das Experiment mit der „Akademik Lomonossow“ erfolgreich sein, sind daher auch bereits weitere Atommeiler auf dem Wasser geplant.

Greenpeace warnt vor erheblichen Gefahren

Umweltschützer kritisieren das Projekt allerdings scharf. So spricht Greenpeace von einem „Tschernobyl auf dem Wasser“. Die Experten dort warnen vor allem davor, dass in den abgelegenen Regionen, in denen die schwimmenden Atomkraftwerke zum Einsatz kommen sollen, oftmals die benötigte Infrastruktur fehlt, um im Fall einer Havarie angemessen und schnell reagieren zu können. Sie befürchten daher im Fall eines Störfalls schlimmste Konsequenzen für die Umwelt und die Menschen in der Region. Die russische Regierung hingegen versichert, das Kraftwerk könne gefahrlos betrieben werden. Für die Zukunft gibt es zudem weitere große Pläne: Mittelfristig ist angedacht, die Technologie auch ins Ausland zu verkaufen. Dies könnte Arbeitsplätze schaffen und Devisen ins Land bringen.


Via: The Independent

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