Als es im Jahr 1986 zur Atomkatastrophe von Tschernobyl kam, mussten zehntausende Menschen ihre Heimat verlassen. Rund um die Ruine des Atomkraftwerks wurde eine rund eintausend Quadratkilometer große Sperrzone errichtet. Das Land dort ist bis heute so stark kontaminiert, dass etwa an den Anbau von Nutzpflanzen nicht zu denken ist. Dennoch macht sich die ukrainische Regierung Gedanken über die zukünftige Nutzung des Gebiets. Eine nun präsentierte Idee: Auf dem Gebiet soll die weltweit größte Solarfarm mit einer Kapazität von 1.000 MW errichtet werden. Das wäre dann immerhin ein Viertel der einst durch das Atomkraftwerk gewonnenen Energie.


Tschernobyl Reaktor
Foto: Tschernobyl Reaktor; Urheber Sven Teschke CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Auch eine Biogasanlage könnte auf dem Gebiet entstehen

Ein solches Solarkraftwerk brächte einige Vorteile mit sich. So ist das Land logischerweise extrem günstig, weil es anderweitig kaum genutzt werden kann. Die benötigte Infrastruktur in Form von Stromleitungen wiederum ist bereits vorhanden und müsste nur leicht modernisiert werden. Außerdem nicht ganz unwichtig bei der Errichtung eines Solarkraftwerks: Das Wetter rund um Tschernobyl ist vergleichbar mit dem Süden Deutschlands – es sollten im Laufe eines Jahres also genügend Sonnenstunden zusammenkommen. Den Plänen der ukrainischen Regierung zufolge soll die Anlage zudem noch durch eine Biogasanlage mit einer Kapazität von 400 MW ergänzt werden. Damit würde Tschernobyl zum Zentrum der Erneuerbaren Energien in der Ukraine.

In Weißrussland gibt es bereits eine kleine Solaranlage

Aktuell ist das Projekt aber noch mit einigen Fragezeichen behaftet. So ist beispielsweise noch unklar, wie die Arbeiter gegen die noch immer hohe radioaktive Strahlung geschützt werden. Denkbar wäre dabei etwa eine Kombination aus Schutzanzügen und kurzen Arbeitsschichten. Auch die Finanzierung ist bisher noch offen. Aktuell reist daher der ukrainische Wirtschaftsminister durch die Welt und hofft, mit der Präsentation der Idee internationale Geldgeber gewinnen zu können. Ganz neu ist der Ansatz dabei nicht: Jenseits der Grenze in Weißrussland befindet sich bereits ein Solarkraftwerk innerhalb des Sperrgebiets. Dieses ist aber vergleichsweise klein und kommt auf eine Kapazität von 22,3 MW.


Via: The Guardian

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