In Tübingen wurde eine neu gegründete Einrichtung eröffnet, die eine neuartige Therapie für Patienten mit Essstörungen anstrebt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapien, die sich nur auf eine entsprechende Altersgruppe anwenden lassen, wird in dem neuen Zentrum der komplette Krankheitsverlauf des Patienten mit berücksichtigt. Den Medizinern aus Tübingen zufolge fangen Essstörungen bereits schon in der Pubertät an und erstrecken sich tief bis in das Erwachsenenalter. Eine Behandlung unter Berücksichtigung des gesamten Krankheitsverlaufs ist den Experten in Tübingen zufolge weltweit bisher einzigartig.


Glukoseintolleranz
Foto: Traumrune CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Essstörungen beginnen bereits im jungen Alter

Laut Stephan Zipfel, dem ärztlichen Direktor des überregionalen Kompetenzzentrums (Komet) an der Uniklinik Tübingen, haben Essstörungen sogar die höchste Sterblichkeit von allen psychischen Krankheiten. Zu den typischen Essstörungen gehören neben der Bulimie auch Magersucht und die neuartige „Binge-Eating-Störung“. Bei der zuletzt genannten Erkrankung essen die Patienten viel, erbrechen jedoch nicht im Anschluss. Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 Jahren bis 17 Jahren erkranken in Deutschland im Schnitt an einer Essstörung. Diese Erkenntnisse konnten jüngsten Studien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entnommen werden. Die Studie zeigt zudem, dass auch immer mehr Jungen von Essstörungen betroffen sind. Im letzten Jahr mussten im Südwesten Deutschlands allein 15 200 Menschen im Alter zwischen 11 Jahren und 25 Jahren aufgrund einer Essstörung behandelt werden.

Neue Behandlungsmaßnahmen sind Erfolgsversprechend

Das neue Tübinger Zentrum bietet eine umfangreiche Betreuung und somit auch langfristige Hilfe im Kampf gegen Essstörungen. Dabei soll nicht nur die Krankenversorgung, sondern auch die Lehre und die Forschung verbessert werden. Der Fokus liegt Stephan Zipfel zufolge vor allem schon auf der Prävention und Frühbehandlung der Krankheit. Je früher gehandelt wird und eine Erkrankung sich zu erkennen gibt, desto größer sind auch hier die Heilungschancen.


Speziell für die Behandlung von Kindern soll unter anderem auch ein Videospiel entwickelt worden sein, welches Kindern und Jugendlichen vermittelt, wie anhand von Bewegung Stress abgebaut werden kann. Das ist schließlich die gesunde Alternative zum Essen aus Frust oder der Verweigerung von Nahrung. Im Nachgang werden Patenten auch über Videokonferenzen weiterhin betreut, so dass auch nach dem Verlassen des Zentrums die Angst vor Rückfällen minimiert werden kann.

Quelle: dpa

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