Das Humangenomprojekt wurde im Jahr 1990 ins Leben gerufen und hatte sich die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts zum Ziel gesetzt. Über 1.000 Wissenschaftler aus mehr als vierzig Ländern beteiligten sich an dieser Forschungsarbeit. Ziel war es, beispielsweise Erbkrankheiten und die Entstehung von Krebszellen besser zu verstehen. Alles in allem war das Projekt erfolgreich: Seit dem Jahr 2004 gilt das menschliche Genom als entschlüsselt. Ein Team von Wissenschaftlern rund um George Church von der Harvard University will nun aber einen Schritt weiter gehen. Sie wollen das menschliche Erbgut nicht nur analysieren, sondern es selbst Stück für Stück nachbauen. Für ihr Projekt haben sie sich dabei einen Zeitrahmen von zehn Jahren gesetzt.


Der Chromosomensatz eines Mannes als Karyogramm dargestellt. Via: Wikimedia Commons
Der Chromosomensatz eines Mannes als Karyogramm dargestellt. Via: Wikimedia Commons

100 Millionen Dollar werden als Startkapital benötigt

„Den menschlichen Gencode zu lesen, bringt dich nur bis zu einer bestimmten Stelle. Irgendwann musst du ihn auch mal selbst herstellen“, erklärt Susan Rosser, Direktorin des „Mammalian Synthetic Biology Research Centre“ an der University of Edinburgh. Die beteiligten Wissenschaftler rechnen dabei mit Kosten von weniger als drei Milliarden Dollar – wobei nun zunächst rund einhundert Millionen Dollar eingesammelt werden müssen, um überhaupt beginnen zu können. Die Kostenschätzung und Zeitplanung ist aktuell aber noch eher spekulativ. Denn die Forscher haben bereits enorme wissenschaftliche Fortschritte einkalkuliert, um überhaupt im großen Stil menschliche Genome nachbauen zu können.

Kritik entzündete sich an der mangelnden Transparenz

Es handelt sich nämlich durchaus um ein ambitioniertes Projekt. So soll das künstliche Genom am Ende mehr als zehn Milliarden Basenpare haben – und damit mehr als dreimal so viele wie das menschliche Original. In der Forschungswelt ist der Plan der Wissenschaftler allerdings nicht unumstritten. Denn während die Forscher beteuern, es gehe ihnen ausschließlich darum neue Kenntnisse über das menschliche Genom zu gewinnen, könnte das Verfahren auch leicht missbraucht werden: Theoretisch wäre es denkbar, mit einem solchen künstlichen Genom einen Menschen im Labor zu produzieren. Mangelnde Transparenz hat dabei zu der Kritik an dem Projekt beigetragen. Das erste Treffen der Gruppe fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zukünftig sollen Presse und Forschungswelt aber regelmäßig über die Fortschritte informiert werden.


Via: New Scientist

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1 Kommentar

  1. Christoph

    4. Juni 2016 at 03:26

    Die Geschichte hat uns geleert, dass der Mensch alles macht, was er kann. Und ich glaube ganz fest daran, dass es eines Tages geklonte Menschen geben wird. Man wird sie sogar für spezielle Zwecke herstellen also ihre Attribute verändern. Das wird noch sehr lange dauern, aber es wird geschehen. Und es wird der Tag kommen, an dem man im Gesetz definieren muss, was eigentlich ein Mensch ist.

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