Viele Sicherheitsfachleute verbinden mit Software zur automatischen Gesichtserkennung große Hoffnungen. Bisher verliefen die meisten Tests aber noch nicht so erfolgreich wie gedacht. Im Rahmen des Champions-League-Finals 2017 in Cardiff etwa wurden stolze 2.297 Personen zu Unrecht verdächtigt. In New York zeigt sich zudem, dass die Technik auch nicht in der Lage ist, Menschen in fahrenden Autos zu identifizieren. Ein Fall aus den Vereinigten Staaten verdeutlicht nun eine weitere Schwachstelle. Denn dort wurde der 18-jährige Ousmane Bah früh am Morgen aus dem Bett geholt und verhaftet. Der Vorwurf: Er soll in mehreren Apple Stores Diebstähle begangen haben. Besonders pikant: Der zuständige Polizist verwies darauf, dass eine Software zur Gesichtserkennung Bah identifiziert habe.


Bild: N-Lange.de [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Die Anschuldigungen wurden schnell zurückgenommen

Allerdings fiel dem Beamten auch recht schnell auf: Es existierten keine Ähnlichkeiten zwischen Bah und der Person auf den Überwachungsvideos. Außerdem besaß der Schüler für einen der Tatzeitpunkte ein wasserdichtes Alibi. Die Vorwürfe in New York und Boston wurden daher schnell wieder fallen gelassen. In New Jersey wird zwar offiziell noch ermittelt, aber auch hier dürfte es zu keiner Anklage kommen. Wie aber kam es zu der Verwechslung? Bah vermutet, dass er ein Ausweisdokument verloren hat, mit dem sich der wahre Täter dann in einem Apple Store auswies. Daraufhin hat die Software das Gesicht mit den Daten verbunden, wodurch später der falsche Verdacht entstand. Apple allerdings widerspricht dieser Version.

Möglicherweise nutzte ein Dienstleister die Software

Den Angaben des Konzerns zufolge wird in den Stores nämlich keine Gesichtserkennungssoftware eingesetzt. Auf Nachfrage bestätigte dies auch der zuständige Polizeibeamte, blieb aber bei seiner ursprünglichen Aussage, dass entsprechende Software zur Verhaftung von Bah geführt habe. Eine mögliche Lösung für diesen vermeintlichen Widerspruch: Möglicherweise nutzt der Sicherheitsdienstleister SIS Security die Technologie bei der Auswertung der Überwachungsvideos. Bah kann über die ganze Geschichte nicht lachen: Er hat Apple und SIS Security verklagt und verlangt die stolze Summe von einer Milliarde Dollar. Begründet wird dies unter anderem damit, dass er durch den unfreiwilligen Aufenthalt bei der Polizei eine wichtige Klausur verpasste. Ob die Klage allerdings erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.


Via: The Verge

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.