Die Idee klingt zunächst einmal vielversprechend: Spanische Forscher wollen unter Beweis stellen, dass sich das Agressivitätslevel von Menschen durch gezielte Hirnmanipulationen senken lässt. Konkret geht es um ein Verfahren namens „transkranielle Gleichstromstimulation“, bei dem leichte Stromflüsse genutzt werden, um die Aktivität bestimmter Bereiche im Gehirn zu steuern. Das Verfahren bringt zwei große Vorteile mit sich: Es ist zum einen komplett schmerzfrei und zum anderen reversibel. In Spanien hat ein Forscherteam rund um Andrés Molero-Chamizo die Technik bereits bei Gefangenen ausprobiert. Dort wurde der Präfrontale Cortex, der unter anderem für die Bewertung von Emotionen zuständig ist, gezielt mit einem Stromfluss belegt. Das Ergebnis: Zumindest in der Selbsteinschätzung der Probanden hat die Aggressivität deutlich nachgelassen.


Gehirnareale
Foto: brain lobes, Allan Ajifo, Flickr, CC BY-SA 2.0

Wie freiwillig ist die Teilnahme der Probanden?

Nun war eigentlich eine Folgestudie geplant, bei der auch nicht straffällig gewordene Studenten als Kontrollgruppe dienen sollten. Nachdem diese Pläne allerdings bekannt wurden, zog die spanische Regierung ihre Erlaubnis zurück und stoppte das Experiment so. Tatsächlich ist die Vorgehensweise der spanischen Wissenschaftler aus ethischer Sicht nicht ganz unbedenklich. Denn klar ist: Solche Versuche dürfen nur mit Einwilligung der Probanden durchgeführt werden. Tatsächlich lagen auch jeweils unterschriebene Einverständniserklärungen vor. Bei Gefängnisinsassen stellt sich aber immer die Frage, wie freiwillig eine solche Zustimmung überhaupt sein kann. Denn die Gefangenen stehen immer in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Gefängnisleitung. Unter Umständen könnten sie sich also beispielsweise genötigt fühlen, das Papier zu unterschreiben, um nicht als unkooperativ zu gelten.

Die Resozialisierung von Gefangenen könnte gefördert werden

Die Diskussion berührt aber auch noch eine grundlegende Problematik. Denn inzwischen ist es Konsens, dass die Zeit im Gefängnis nicht nur als Strafe gedacht ist, sondern anschließend auch die Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstützt werden muss. Biomedizinische Eingriffe könnten hier tatsächlich hilfreich sein. Gewalttäter etwa könnten durch die „transkranielle Gleichstromsimulation“ ihre Aggressivität unter Kontrolle bringen und so weniger anfällig für eine zweite Tat sein. Dies wiederum würde sich positiv auf die Prognose einer erfolgreichen Resozialisierung auswirken. Allerdings darf es auch nicht sein, dass Gefangene, die sich einer solchen Behandlung nicht unterziehen möchten, dadurch Nachteile erwachsen. Hier wird es also noch einiges an Diskussionen geben müssen, um eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird.


Via: Vox.com

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