Im Jahr 2016 beschloss ein australisches Ehepaar, von der Westküste des Landes in die Großstadt Sydney zzu ziehen. Dort fanden Eliska und Tomas Braborova jedoch ein kommerzielles Bioabfall-Entsorgungssystem vor, das überhaupt nicht ihren Vorstellungen entsprach. Aus dieser Unzufriedenheit heraus entstand die App ShareWaste. Diese bringt Nutzer, die Bioabfälle loswerden wollen, mit solchen zusammen, die diese Abfälle für ihren Garten benötigen.


Nicht jeder hat einen eigenen Komposthaufen

Inzwischen ist ShareWaste nicht nur in Sydney, sondern auch in ganz Australien, den Vereinigten Staaten und in Großbritannien etabliert. 8600 registrierte Nutzer gibt es inzwischen, und die Zahl steigt schnell. Die Hauptfunktion der App ist eine Landkarte, auf der Geber und Nehmer von organischen Abfällen angezeigt werden und miteinander kommunizieren können.


Allein in der Europäischen Union entstehen jährlich zwischen 118 und 138 Millionen Tonnen Bioabfall. Diese setzen beim Verrotten Methan frei, das 25 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Und die öffentliche Abfallentsorgung hat schon heute massive Probleme, mit der Kompostierung nachzukommen. Kreative Lösungen sind also gefragt. In Singapur gibt es zum Beispiel eine Firma namens Enerprof, die eine Maschine entwickelt hat, mit der Essensabfälle verflüssigt und über die Kanalisation entsorgt werden.

ShareWaste verfolgt da einen viel natürlicheren Ansatz. Denn durch Kompostierung wird ebenso verhindert, dass biologische Abfälle Methan freisetzen „ „Wir können alles selbst recyceln, indem wir es kompostieren. Es kostet nichts. Und die Leute sehen den Nutzen sofort in ihrem eigenen Garten„, so Eliska Bramborova. Kompost liefert Nährstoffe für ein gesundes Bodenleben, lockert den Boden und speichert Wasser. Außerdem bindet er Kohlendioxid und trägt so zum Klimaschutz bei. Bramborova ist überzeugt davon, dass kommerzielle Kompostierung nicht notwendig ist.

Eigenkompostierung hat ihre Tücken

In Deutschland wird mit dem Thema etwas entspannter umgegangen: „Eigenkompostierung und Biotonne unterstützen einander„, so Michael Schneider, Geschäftsführer des Verbands der Humus- und Erdenwirtschaft. Eine Konkurrenz zwischen kommerzieller Kompostierunbg und Eigenkompostierung gebe es nicht. In Deutschland gäbe es pro Jahr 9 Millionen Tonnen Grün- und Bioabfall, aus denen die Industrie 4,5 Millionen Tonnen Kompost für Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau und Hobbygärtner gewinnt. Nach Schätzungen des Naturschutzbundes gehen allerdings etwa sechs Millionen Tonnen Bioabfall verloren, die als Restmüll in der Müllverbrennung landen. Diese sechs Millionen Tonnen enthalten genug Heizenergie, um eine Stadt mit einer halben Million Einwohner ein Jahr lang zu versorgen.

Aber auch Eigenkompostierung hat ihre Tücken. So haben Fette und Öle, Speisereste tierischen Ursprungs wie Fleisch, Käse, Knochen und Fischgräten sowie Backwaren auf dem heimischen Komposthaufen nichts zu suchen. Wer sich nicht an diese Regel hält, hat schnell mit Ratten und Geruchsbelästigung zu kämpfen. Es ist wichtig, dass die Heimkompostierer sich mit dem Thema ausreichend auseinandersetzen. Außerdem wird ein ausreichend großer Garten benötigt, da es sonst schnell zu einer Überfrachtung mit Nährstoffen kommt.

Abfall teilen ergibt Sinn

Auch wenn Apps wie ShareWaste das Abfallproblem nicht eigenhändig lösen werden, handelt es sich doch um kreative Lösungen, die ganz nebenbei auch Menschen zusammenbringen. „ Als Spender geben wir unseren Bioabfall in fremde Tonnen. Doch wir bekommen manchmal auch etwas zurück. Obst, Gemüse, oder etwas aus dem Garten, das dank unseres Abfalls gewachsen ist„, so Eliska Bromborova über ihr Konzept.

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