Windräder, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden, erhielten im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eine zwanzigjährige Förderung. Diese läuft nun nach und nach aus. Theoretisch könnten die Betreiber die Anlagen einfach weiter laufen lassen und den produzierten Strom auf dem freien Markt verkaufen. Tatsächlich dürfte sich der Betrieb ohne staatliche Zuschüsse in vielen Fällen aber nicht mehr rentieren. Das Bundesumweltamt rechnet daher ab dem Jahr 2021 mit einem verstärkten Rückbau alter Windräder. Das Problem: Die Recycling-Industrie in Deutschland ist darauf nicht vorbereitet. Zumindest gilt dies für einen Teil der Windkraftanlagen. Denn Beton, Stahl und Aluminium lassen sich sehr wohl innerhalb der bestehenden Strukturen recyceln. Das Problem sind die Rotorblätter.


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Eine Anlage in ganz Deutschland ist zu wenig

Denn diese bestehen aus speziell faserverstärkten Kunststoffen und müssen daher einzeln entsorgt und verarbeitet werden. Bisher gibt es deutschlandweit aber nur eine einzige entsprechende Recycling-Anlage. Die Firma Neocomp schreddert die Rotorblätter in Bremen und vermengt die Einzelteile mit Abfallstoffen aus der Papierherstellung. Heraus kommt dabei schließlich ein Produkt, das an Zementwerke verkauft werden kann. Um aber wirklich alle alten Windräder vollständig und fachgerecht entsorgen zu können, bräuchte es deutlich mehr solcher Recycling-Möglichkeiten. Zwar wird fleißig nach weiteren Formen der sinnvollen Wiederverwendung geforscht. Bisher fehlt es aber noch an kommerziellen Projekten auf dem Markt. Hinzu kommt eine weitere Problematik: Der Rückbau der Anlagen ist nicht ausreichend finanziert.

Die Finanzierung des Rückbaus steht auf wackligen Füßen

Zwar müssen die Betreiber grundsätzlich entsprechende Rücklagen bilden. Doch Berechnungen des Umweltbundesamtes haben ergeben, dass die gesparten Gelder nicht ausreichen dürften. Konkret gehen die Experten von einer Finanzierungslücke in Höhe von 300 Millionen Euro alleine im Jahr 2038 aus. Möglich ist dies, weil die Berechnungsgrundlage mit der kalkuliert wird, wie viel Geld zurückgelegt werden muss, umstritten ist. Das Umweltbundesamt rät daher, diese zukünftig von unabhängigen Experten überprüfen zu lassen. Insgesamt gibt es in Deutschland aktuell rund 27.000 Windräder an Land. Hinzu kommen noch zahlreiche Offshore-Anlagen, bei denen der Rückbau noch einmal komplizierter sein dürfte. Die Recycling-Branche dürfte sich in den nächsten Jahren also eher nicht über zu wenig Arbeit beklagen.


Via: Spiegel

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