Noch vor wenigen Monaten sahen die Prognosen für den deutschen Abfallmarkt extrem düster aus. Die Volksrepublik China hatte den Import von Plastikmüll komplett untersagt. 760.000 Tonnen Abfall pro Jahr müssen seitdem auf andere Art und Weise entsorgt werden. Die Befürchtung war, dass nun mehr Müll in den deutschen Verbrennungsanlagen und Deponien landen würde. Doch inzwischen lässt sich sagen: Stattdessen hat ein Boom in Sachen Recycling eingesetzt. Die meisten Anlagen hierzulande sind so gut ausgelastet wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Auch die Recyclingquote ist stark gestiegen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind die besonderen Umstände auf dem Markt für Plastikmüll. Bisher nämlich wurden die Abfälle fast komplett von chinesischen Firmen aufgekauft.


Recycling Water Bottles, MrTinDC, Flickr, CC BY-SA 2.0

China hatte genug von den Überresten des Recyclings

Diese zahlten rund 20 Euro mehr pro Tonne als die Unternehmen in Europa. Für das Reich der Mitte war dies lange ein gutes Geschäft. Denn das Land konnte die durch das Recycling gewonnenen Ressourcen gut gebrauchen und lastete die Fabriken durch den Müll aus Europa gut aus. Für die Firmen hierzulande bedeutete dies allerdings auch, dass sie auf dem Markt oft nur noch Plastikmüll minderer Qualität und zu überhöhten Preisen erhielten. Doch auch China zahlte einen hohen Preis für den Import des Abfalls. Denn oftmals konnte nur ein Teil der Kunststoffe sinnvoll verwertet werden. Bis zu 40 Prozent des importierten Mülls bestand stattdessen aus Schutt- und Schmutzresten. Diese mussten deponiert oder verbrannt werden. Beides stellte eine nicht unerhebliche Belastung für die Umwelt dar. Deshalb entschied sich die Regierung für ein vollständiges Importverbot.

Mehr Geld für Forschung und Entwicklung ist nötig

Weil sich dadurch keine chinesischen Käufer mehr auf dem Markt befinden, sind die Preise für recycelbaren Plastikabfall inzwischen deutlich gesunken. Auf der anderen Seite ist auch wieder mehr sortenreine Ware von hoher Qualität auf dem Markt. Dies könnte eine zweite positive Entwicklung zur Folge haben. Denn aufgrund der schwierigen Marktlage in den letzten Jahren sind kaum neue Recyclingverfahren entwickelt worden. Der einfachste Weg, um die Recyclingquote bei Plastikmüll zu steigern, wäre es aber, hochwertigeres Granulat zu produzieren. Hier können die Firmen nun wieder verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren. Ein schmutziges Geheimnis hat die Branche aber auch weiterhin. Der problematische Müll mit hohem Verschmutzungsgrad wird auch weiterhin exportiert – in andere asiatische Länder und nach Osteuropa.


Via: Die Zeit

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.