Am 22. Januar gegen Abend stellten die Menschen im Inselstaat Tonga fest, dass sie keine Internetseiten mehr aufrufen konnten. Zunächst dürften die meisten wohl an eine lokale und zeitlich begrenzte Störung geglaubt haben. Doch schnell wurde klar: Das Problem lag auf dem Grund des Meeres. Denn dort verläuft das Glasfaserkabel, das die Inseln mit dem weltweiten Internet verbindet. Vermutlich hat ein Schiff mit einem am Boden schleifenden Anker diese elementare Infrastruktur beschädigt – und die 100.000 Einwohner Tongas waren plötzlich vom weltweiten Informationsfluss abgeschnitten. Selbst Telefonate ins Ausland und Kreditkartenzahlungen waren auf einmal nicht mehr möglich. Erst jetzt – fast zwei Wochen später – konnte das Kabel repariert werden. Doch wie ist es dem Staat in der Zwischenzeit ergangen?


Bild: Msdstefan [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Wirtschaft und Tourismus sind auf das Internet angewiesen

Die gute Nachricht zuerst: Das öffentliche Leben ist nicht vollständig zusammengebrochen. Vielmehr funktionierte das Land im Inneren fast ohne Einschränkungen. Viele Läden gewährten Kunden mit Kreditkarten eine Art Offline-Kredit und notierten lediglich die Daten, um die Abbuchungen später vorzunehmen. Die Wirtschaft hingegen wurde empfindlich getroffen, weil auch kein Geld mehr nach Tonga überwiesen werden konnte. Zahlungen von im Ausland lebenden Staatsbürgern an ihre Verwandten in der Heimat stellen aber eine wichtige Einnahmequelle für den Inselstaat dar. Außerdem litt der Tourismus logischerweise, weil die Reiseveranstalter und Hotelbesitzer nicht mit ihren Kunden kommunizieren konnten. Nach einiger Zeit wurde zumindest eine Notverbindung über Satellit wieder eingerichtet. Doch die Bandbreite war limitiert, sodass es zu langen Schlangen vor der Zentrale des staatlichen Kommunikationsunternehmens kam.

Das Glasfaserkabel wurde erst vor wenigen Jahren verlegt

Ein Regierungssprecher wollte die Auswirkungen aber auch nicht zu sehr dramatisieren. Er verwies lediglich darauf, dass die Menschen nun, wo das Internet wieder vollständig zur Verfügung steht, einiges in Sachen Klatsch und Tratsch nachzuholen hätten. Dass die Folgen letztlich nicht katastrophal waren, dürfte auch damit zusammenhängen, dass es auf Tonga noch gar nicht so lange schnelles Internet gibt. Denn das 30 Millionen teure Glasfaserkabel wurde erst im Jahr 2013 verlegt – und erhöhte die Übertragungsgeschwindigkeiten von 20 bis 30 Megabit pro Sekunde auf bis zu 10 Gigabit. Zukünftig könnte ein solcher Komplettausfall allerdings deutlich schlimmere Auswirkungen haben. Wenn beispielsweise autonome Autos und intelligente Roboter auf eine schnelle und zuverlässige Datenübertragung angewiesen sind.


Via: New York Times

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