Der Musikstreamingdienst Spotify gilt bereits seit langem als sogenanntes Einhorn – also als Startup mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. Insgesamt haben Investoren schon mehr als 2,7 Milliarden Dollar in das Unternehmen investiert. Noch immer halten aber auch die beiden Gründer erhebliche Anteile. Wie viel der Streamingdienst tatsächlich wert ist, könnte nun der in New York geplante Börsengang zeigen. Die dafür notwendigen Unterlagen hat die Firmenleitung bereits bei den zuständigen Aufsichtsbehörden eingereicht. Ein genauer Ausgabetermin der Aktien ist aber noch nicht bekannt. Experten gehen aber von einem Termin Ende März aus. Brisant ist ein anderes Detail der Pläne: Spotify will auf eine Preisermittlung im Vorfeld verzichten und die Aktien direkt an der Börse platzieren.


Spotify
Foto: Spotify, Johan Larsson, Flickr, CC BY-SA 2.0

Aktienausgabe per „direct listing“ – was bedeutet das?

Normalerweise werden im Vorfeld eines Börsengangs Investmentbanken beauftragt, den Ausgabepreis zu ermitteln und einen Teil der Aktien schon bei bekannten Investoren zu platzieren. Dadurch sinkt das Risiko, dass die Einnahmen am Ausgabetag deutlich hinter den Erwartungen zurück bleiben. Außerdem stützen die beteiligten Institute den Kurs der Aktie in den ersten Tagen, falls es zu massiven Verlusten kommt. Die Banken arbeiten aber natürlich nicht umsonst, sondern erhalten nicht unerhebliche Gebühren für ihren Service. Dieses Geld will Spotify sparen und überlässt die Preisfindung alleine dem Markt. Der erste Kurs der Aktie wird also alleine anhand der vorliegenden Kaufs- und Verkaufsaufträge für Spotify-Aktien gebildet. Dieses Verfahren ist als „direct listing“ bekannt und nicht ohne Risiko: Ist etwa die Stimmung an der Börse am Tag der Ausgabe allgemein eher schlecht, kann dies dazu führen, dass der Kurs unverhältnismäßig niedrig ausfällt. Umgekehrt gilt aber auch: Euphorie könnte zu einem hohen Ausgabepreis führen.

Uber, Airbnb und Co. könnten das Verfahren kopieren

Ob Spotify mit dieser Strategie Erfolg haben wird, dürfte auch von vielen anderen jungen Startups ganz genau beobachtet werden. Denn auch andere Einhörner wie Uber und Airbnb denken über einen Börsengang mit „direct listing“ nach. Für viele Investmentbanken könnte dies zu einem Problem werden. Denn die Institute verdienen bisher sehr gut an den milliardenschweren Börsengängen auf dem US-Markt. Ein Erfolg der Strategie von Spotify könnte zur Folge haben, dass die Geschäfte in diesem Bereich zukünftig deutlich schlechter laufen. Der Börsengang des Streamingdienstes hat auch zur Folge, dass konkrete Zahlen genannt werden mussten. Demnach hat das Unternehmen 71 Millionen zahlende Kunden und machte im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 378 Millionen Euro. Ob und wann die Gewinnschwelle erreicht wird, ist aktuell schwer zu prognostizieren. Mit Apple und Amazon sind in den letzten Jahren echte Schwergewichte in das Musikstreaming-Geschäft eingestiegen.


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