An der Leipziger Universität wird zeitnah ein neues Forschungsprojekt gestartet, das eine Psychotherapie für Trauernde per E-Mail gewährleistet. Wer eine sehr nahe-stehende Person verloren hat, fällt oftmals in eine tiefe Trauer. Einige schaffen es nicht mehr allein dem Trauer-Tief wieder zu entkommen. Diese Personen benötigen professionelle Hilfe, die alsbald auch per E-Mail angeboten wird.


Lange Trauer macht krank

Das Forschungsprojekt „Psychotherapie per E-Mail für Trauernde“ steckt noch in den Anfängen. Die Uni Leipzig möchte damit jedoch künftig neue Wege eröffnen um trauernden Menschen helfen und in den schlimmen Zeiten auch beistehen zu können. Gewöhnlich raten Experten nach einer anhaltenden Trauer von mehr als einem halben Jahr, einen Therapeuten zu konsultieren. Schließlich kann zu lange Trauer krankhaft sein. In der letzten Zeit kam es vermehrt zu Studien, die bestätigten, dass zu langes Trauern unter anderem auch schwerer Kummer das Herzinfarktrisiko erhöht. Dieses wird hervorgerufen durch einen mit dem Trauern einhergehenden ansteigenden Bluthochdruck und einer gesteigerten Blutgerinnung sowie dauerhaften Stress. Weitere Symptome, die auf Dauer unbekömmlich sind für die Gesundheit spiegeln sich im Schlafmangel und Essstörungen wieder.


Das Projekt befindet sich noch in der Planung

Im Frühjahr 2015 möchte die Uni Leipzig das besondere Projekt für Trauernde starten. Vorrangig sollen dabei Menschen behandelt werden, die Angehörige durch Suizid verloren haben. Unterstützt wird das Projekt von der Roland-Ernst-Stiftung. Die Studie ist zunächst auf zwei Jahre beschränkt. Inhalt ist ein fünfwöchiges Programm in dem den Patienten ganz bestimmte Schreibaufgaben gestellt werden. Diese Aufgaben landen dann in der Form von E-Mails auf einer geschützten Internetplattform um dort dann von Psychotherapeuten beantwortet zu werden. „Wir gehen davon aus, in dieser Zeit etwa 60 Patienten behandeln zu können“, so Prof. Anette Kersting, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, gegenüber der dpa.

Die Expertin stellte im Rahmen einer epidemiologischen Studie fest, dass 6,7 Prozent der deutschen Bevölkerung eine pathologische Trauer entwickelten, nachdem diese einen Verlust erlebt haben. Problematisch wird das Ganze dann, wenn die Trauer mehr als sechs Monate anhält. Die Trauernden sehnen sich nach dem Verstorbenen und finden ich Leben zunehmend sinnfreier und bedeutungsloser. Es fällt ihnen immer schwerer wieder in das normale Leben zurück zu finden. Hierbei können dann nur noch Therapeuten helfen. Für die Trauerbewältigung braucht es laut der Wissenschaftlerin besondere Angebote, welche die Trauernden annehmen können. „Antidepressiva wirken bei Trauernden nicht, wenn sie nicht zusätzlich unter einer Depression leiden“, betont die Expertin.

Diese Art von Trauerbewältigung ist nicht für alle gedacht

Bevor an der Studie teilgenommen werden kann wird eine umfangreiche Diagnostik vorgenommen. Ausgeschlossen werden Trauernde, die ebenfalls selbstmordgefährdet oder süchtig sind beziehungsweise unter Depressionen leiden. Erste Erfahrungen mit internetgestützten Therapien konnten bereits gesammelt werden. So konnten Frauen erfolgreich behandelt werden, die während einer Schwangerschaft ihr Kind verloren haben. Interessant ist dabei, dass die Menschen über verschiedene Wege auf die neuartigen Therapien aufmerksam gemacht wurden. Beispielsweise kamen einige aus Empfehlungen von Kollegen, andere wiederum stolperten durch Zufall auf die Internettherapie und nahmen folglich umgehend den Kontakt auf.

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