Unterstützung für den Einsatzleiter: Dieses System kann bei Großschadenslagen Leben retten

Schwerer Unfall auf der Autobahn. Dutzende Polizei- und Rettungsfahrzeuge treffen an der Unfallstelle ein. Der Einsatzleiter muss die Helfer koordinieren. Das geschieht über Funk. Schnell entsteht ein leichtes Durcheinander. Verunglückte müssen abtransportiert werden, die mit den schwersten Verletzungen zuerst. Bei Lebensgefahr geht es per Hubschrauber ins nächste Klinikum. Ganz nebenbei müssen auch noch die scheinbar unvermeidlichen Gaffer in Schach gehalten werden. Selbst erfahrene Einsatzleiter sind in einer solchen Situation oft überfordert.

Bild: VOMATEC Innovations GmbH

Verletzte werden automatisch lokalisiert

Künftig haben sie elektronische Helfer. RescueWave heißt das System, das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit den Unternehmen VOMATEC Innovations GmbH und antwortING Beratende Ingenieure PartGmbB entwickelt worden ist. Anstelle von Karten, auf denen die Dringlichkeit des Abtransportes von Verletzten vermerkt ist, verteilt der Notarzt elektronische Sichtungsgeräte, die es erlauben, Betroffene und Verletzte automatisch zu lokalisieren, Patienteninformationen zu erfassen und in Echtzeit an die Einsatzleitung zu übermitteln. Diese kann mit Hilfe der Daten aus den funkvernetzten Geräten und einer speziell auf den Einsatz zugeschnittenen Software Fahrzeuge und Einsatzkräfte vor Ort koordinieren und auch unter chaotischsten Bedingungen nach Dringlichkeit zu den Opfern schicken. Auch Krankenhäuser können eingebunden werden, sodass die Ärzte schon vor der Ankunft der Verletzten in etwa wissen, was zu behandeln ist.

Intuitiv bedienbar und robust

Zehn Jahre hat die Entwicklung gedauert. Das lag an der Komplexität der Aufgabe. „In einer Situation maximaler Belastung müssen sich Rettungskräfte voll auf ihre notfallmedizinische Arbeit konzentrieren können“, sagt Stephan Heuer, der bei ITK Engineering die Entwicklung des Systems zur Marktreife leitet. „Ein Assistenzsystem darf daher keine unnötigen Entscheidungen vom Anwender verlangen, es muss übersichtlich, intuitiv bedienbar und zudem robust sein.“ Die Geräte halten Temperaturen zwischen minus 20 und plus 50 Grad Celsius aus. Außerdem sind sie unempfindlich gegen Stöße und spritzwassergeschützt.

Bei einer Katastrophenübung im rheinland-pfälzischen Landkreis Germersheim hat sich das System bereits bewährt. Professor Wilhelm Stork vom Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) des KIT und Direktor am KIT- Forschungszentrum Informatik, der das Entwicklerteam leitete, ist zuversichtlich, dass sich RescueWave am Markt durchsetzt: „Das Konzept hat auf der Fachmesse RETTmobil 2017 unter Katastrophenschützern voll eingeschlagen. Mehrere deutsche Großstädte und Landkreise haben bereits Interesse bekundet.“

 

via KIT