Während des 19. Jahrhunderts brach in den Vereinigten Staaten regelmäßig ein Goldrausch aus. Von ersten Goldfunden inspiriert, machten sich damals Tausende auf die Suche nach dem wertvollen Edelmetall. Wer tatsächlich eine Goldader fand, konnte dadurch reich werden. Viele allerdings gingen auch leer aus. Beim sogenannten Urban Mining haben es die Unternehmen heutzutage deutlich einfacher. Denn sie wissen, wo sie Gold finden: Im Müll von Industrienationen. So sind in den meisten Elektrogeräten zahlreiche wertvolle Edelmetalle verbaut. Lange Zeit waren die Weltmarktpreise allerdings so niedrig, dass sich das Recycling nur bedingt lohnte. Inzwischen hat hier aber eine Trendwende eingesetzt. Außerdem hat das Thema Recycling auch gesellschaftlich an Bedeutung gewonnen.


Bild: _DSC1145-39, H74k, Flickr, CC BY-SA 2.0

Recycling macht unabhängig von Minenbetreibern

In Japan etwa wird dies durch eine symbolische Geste verdeutlicht: Die Medaillen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sollen zu einhundert Prozent aus recycelten Edelmetallen bestehen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die japanischen Behörden eine große Sammelaktion für alte Smartphones gestartet. Der Konzern Tanaka Precious Metal will aus dem Recycling aber auch ein funktionierendes Geschäftsmodell machen. Das Unternehmen gehört zu den größten Goldverkäufern der Welt, ist bisher bei der Lieferung aber abhängig von einigen wenigen Minenbetreibern, die auch noch in vergleichsweise unsicheren Ländern wie Russland oder Südafrika ihre Arbeit verrichten. Um hier eine gewisse Unabhängigkeit zu erlangen, arbeitet der Konzern daher mit einheimischen Recyclingunternehmen zusammen. Die Spezialisten zerlegen die Elektrogeräte zunächst in ihre Einzelteile – und verkaufen das Gold dann an Tanaka.

Die Industrie benötigt immer mehr Edelmetalle

In Japan profitiert das Unternehmen zudem davon, dass der Elektroschrott dort traditionell von den übrigen Abfallströmen getrennt wird. Die Recycling-Unternehmen müssen ihre Produkte also nicht erst aufwändig aus dem Müll heraussuchen. Für die Zukunft wird zudem eine stärkere industrielle Nachfrage nach Gold und ähnlichen Edelmetallen erwartet. Einer der treibenden Faktoren dürfte das autonome Fahren sein. Denn Gold wird unter anderem für die Leitungen auf Speicherchips verwendet. Dies dürfte einen doppelten Effekt haben. Zum einen steigende Preise, sodass sich das Recycling noch mehr lohnt als heute. Zum anderen aber auch mehr entsprechende Abfall-Produkte, die sinnvoll zerlegt und verarbeitet werden können. Oder anders ausgedrückt: Die Zahl der modernen Goldminen wird zunehmen.


Via: Handelsblatt

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