Ein Blick auf die Statistik verrät: Landwirte in der Europäischen Union produzieren auf einer vergleichbaren Fläche mehr Lebensmittel als Bauern in Afrika. Dies liegt aber nicht an einem besonderen europäischen Talent, dem Klima oder dem Einsatz von teuren Maschinen. Vielmehr ist der Grund deutlich simpler: Der Einsatz von Dünger macht den Unterschied. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern können sich die Menschen aber keinen oder nur wenig Kunstdünger leisten, sodass die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen nicht den maximalen Ertrag abwerfen. Wissenschaftler in Schweden arbeiten daher an einer Lösung mit natürlichem Dünger und setzen dabei auf den Einsatz des menschlichen Urins. Ein erster Feldversuch in Burkina Faso zeigte bereits durchaus erfreuliche Ergebnisse.


Bauern in Burkina Faso könnten von dem natürlichen Dünger profitieren. Bild: Gemeinfrei

Trenntoiletten sind die einzige Voraussetzung

Kunstdünger besteht im Wesentlichen aus Stickstoff, Phosphor und Kali. Ähnliches lässt sich auch über den menschlichen Urin sagen. Er muss daher auch nicht mehr weiter verarbeitet werden. Vielmehr wird er luftdicht verschlossen und kann nach einigen Monaten mit Wasser verdünnt als Dünger ausgebracht werden. Damit dies möglich ist, muss aber eine Voraussetzung erfüllt sein: Trenntoiletten müssen den Urin von den sonstigen Ausscheidungen des Menschen trennen. Am einfachsten ist dies bei Pissoirs – wie sie etwa auf einem dänischen Festival im Rahmen des Bierkreislauf zum Einsatz kamen. In Burkina Faso installierten die Forscher aus Stockholm hingegen komplette Trenntoiletten für 10.000 Familien. Das Ergebnis des Feldversuchs: Wurden die Bewohner über den Nutzen für die Landwirtschaft aufgeklärt, nutzten sie die neuen sanitären Anlagen nicht nur, sondern hielten diese auch sauber und instand.

Bisher werden oftmals einfache Sickergruben genutzt

Die Gebiete in Burkina Faso hatten den Vorteil, dass dort vorher lediglich Sickergruben zur Verfügung standen. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass die Neuerung weniger gut angenommen wurde, wenn parallel auch Spül-WCs zur Verfügung standen. Die Trenntoiletten sollten also vor allem dort gebaut werden, wo es bisher noch keine entsprechende Infrastruktur gibt – also in der Regel in sehr armen Regionen. Kim Andersson vom Stockholm Environment Institute ist sich sicher, dass der natürliche Dünger aus Urin mittelfristig dazu beitragen könnte, den Hunger in vielen Regionen der Welt zu besiegen. Die Kosten dafür sind überschaubar: Die benötigten Trenntoiletten kosten zwischen 150 und 200 Euro und die anschließenden Lagerkosten für den luftdicht verpackten flüssigen Rohstoff sind denkbar gering.


Via: FAZ

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