In den 1980er Jahren wurde in Deutschland heftig über das Waldsterben diskutiert. Tatsächlich erwiesen sich viele der damaligen Prognosen als etwas zu pessimistisch. Der Wald starb nicht wirklich, verschwand dafür aber wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch in diesem Sommer kehrte das Thema zurück auf die öffentliche Agenda. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte persönlich ein „Millionen-Bäume-Programm“, um die Schäden der vergangenen Jahr auszugleichen. Denn Dürren und Waldbrände haben dem Baumbestand hierzulande ordentlich zugesetzt. Katrin Göring-Eckardt von den Grünen möchte nun sogar noch einen Schritt weiter gehen: Bei fünf Prozent der Waldflächen soll zukünftig vollständig auf menschliche Eingriffe verzichtet werden. Langfristig könnten dort dann wieder Urwälder entstehen.


Foto: Forrest, Simon Gehrig, Flickr, CC BY-SA 2.0

Misch- und Naturwälder bringen große Vorteile mit sich

Umsetzen ließe sich die Forderung vergleichsweise einfach. Denn insgesamt gibt es in Deutschland rund 11,4 Millionen Hektar Wald – wovon etwa die Hälfte schon heute der öffentlichen Hand gehört. Folgt man Göring-Eckardts Idee müssten davon 570.000 Hektar zu Schutzgebieten ohne menschliche Eingriffe erklärt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass reine Nadelwälder zuvor umgestaltet werden, so dass Misch- und Naturwälder entstehen. Denn diese sind nicht nur widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse, sondern befördern auch die Artenvielfalt. Zusätzlich fordert die Grünen-Politikerin massive Investitionen in den vorhandenen Waldbestand. So schwebt ihr ein eine Milliarde Euro schwerer Waldzukunftsfonds vor. Dieser könnte herangezogen werden, um die Anpassungen der Wälder an die veränderten klimatischen Bedingungen zu finanzieren. Mit dem Waldklimafonds besitzt die Bundesregierung allerdings schon ein ähnliches Instrument.

Anpassungen an den Klimawandel sind notwendig

Unstrittig ist allerdings, dass die Wälder sich an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen. Denn schon heute sind viele Wälder stark ausgetrocknet. So hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald errechnet, dass in den heißen Sommern 2018 und 2019 pro Jahr rund 200 Liter Regen pro Quadratmeter zu wenig gefallen sind. Insbesondere die Wälder in Ostdeutschland haben darunter stark gelitten. Eine erste Anpassung könnte darin bestehen, aus Monokulturen wieder Mischwälder zu machen. Außerdem versuchen Experten neue Baumarten zu etablieren, die mit der zunehmenden Trockenheit besser zurechtkommen. Auch dabei gibt es allerdings keine Garantie. Lange Zeit galt nämlich die Buche als Baum für längere Trockenzeiten. Inzwischen zeigt sich aber: Auch sie leidet massiv unter der Trockenheit.


Via: Rheinische Post

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