Die US-Architektin Katrina Spade hat eine interessante, gewöhnungsbedürftige Idee, um Friedhöfe und Krematorien überflüssig zu machen. Statt Verstorbene wie üblich zu begraben oder in einem Krematorium zu verbrennen, will sie Leichen kompostieren. So sollen die Toten Pflanzenwachstum stützen und neues Leben ermöglichen.


Turmanlage soll menschliche Leichen kompostieren

Die Methoden, mit denen wir in der westlichen Gesellschaft mit Toten umgehen, sind seit langer Zeit die gleichen: Entweder werden sie in einem Sarg begraben oder verbrannt. Für die menschliche Asche gibt es diverse Beisetzungsmethoden, aber an der Verbrennung an sich ändert sich nichts. Die amerikanische Architektin Katrina Spade hat da eine andere Idee: Sie rief das Urban Death Project ins Leben, in dessen Rahmen sie menschliche Leichen kompostieren möchte.


Das klingt zunächst einmal seltsam. Spade jedoch insistiert, dass ihre Beisetzungsmethode ebenso würdevoll wie ein Sarg oder eine Urne sei, dabei aber zudem Platz- und Kostenersparnis bringe. „Das Herz dieses Modells ist ein neues Systems der Beisetzung, das sich Recomposition nennt. Dabei wird der Körper auf sanfte Weise in Erde transformiert„, so Spade.

Die Kompostierung soll dabei in einem dreigeschossigen Turm aus Stahlbeton stattfinden. Die Beisetzung wäre denkbar einfach: Die Körper werden in einfache Leinen gewickelt und auf der Spitze des Turmes auf ein Bett von Holzspänen gelagert, das das Gebäude komplett ausfüllt. Durch die natürlichen Verwesungsprozesse würde der Körper dann innerhalb einiger Tage langsam einsinken. Die komplette Zersetzung des Körpers in dem System würde etwa sechs Wochen in Anspruch nehmen. Am Ende kommt er als nährstoffreicher Kompost am unteren Ende des Turms ankommen.

Kompost kann als Dünger verwendet werden

Der Kompost könnte dann als Dünger oder Erde in Blumenbeeten und auf Feldern eingesetzt werden. Spade würde die Angehörigen sogar gerne dazu anregen, die Erde im eigenen Garten zu verwenden. Das Urban Death Project entstand unter anderem in Zusammenarbeit mit der Washington State University, wo bereits kommendes Jahr ein Prototyp des Kompostierungsturms entstehen soll. Erste Tests sollen dann mit Schweinekadavern erfolgen, aber im Anschluss sind auch Testläufe mit gespendeten menschlichen Leichnamen geplant. In den Tests soll vor allem herausgefunden werden, welcher Beisetzungsrythmus optimal ist und inwieweit Wasser, Mikroorganismen und Belüftungssysteme die Kompostierung beschleunigen können.

Das erste Recomposition-Bestattungsinstitut soll dann 2023 in Seattle die Pforten öffnen. Geplant ist ein offener Garten mit Gedenkanlagen, der den Kreislauf des Lebens feiern soll.

Der Plan von Katrina Spade hört sich zwar durchaus sinnvoll an, würde aber wahrscheinlich ein Umdenken in der Gesellschaft erfordern. Die Vorstellung, mit verstorbenen Angehörigen den Garten zu düngen ist sicher ein wenig gewöhnungsbedürftig.

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