Verlockend klingt der Name auf dem Wasseretikett: »Ice Mountain« nennt sich diese Nestlé-Marke, laut Herstellerangaben ist in jeder Flasche zu 100 Prozent frisches Quellwasser enthalten. Dafür pumpt der Schweizer Konzern fleißig Wasser in dem kleinen Ort Evart im US-Staat Michigan ab. Derzeit strömen 250 Gallonen pro Minute aus dem unterirdischen Wasserreservoir durch die Nestlé-Pipeline – daraus sollten in naher Zukunft 400 Gallonen werden. Doch ein Gericht stoppte den Bau der neuen Pumpe.


Von <a href="//commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:JanManu&amp;action=edit&amp;redlink=1" class="new" title="User:JanManu (page does not exist)">JanManu</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0">CC BY-SA 4.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=76347632">Link</a>
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Bestrebungen zur Wasserprivatisierung erhielten Dämpfer

Das Pumpwerk sollte auf einem Kinder-Campingplatz im Nachbarort Osceola entstehen und dafür sorgen, die geplanten 400 Gallonen technisch zu bewältigen. Der Bebauungsplan des Städtchens sah aber eine solche Nutzung gar nicht vor, doch Nestlé überraschte durch einen Taschenspielertrick: Das Unternehmen pochte darauf, mit seinen Aktivitäten einen »Dienst an der Allgemeinheit« zu leisten und die öffentliche Wasserversorgung sicherzustellen. Das zweithöchste Gericht des Staates Michigans hatte allerdings kein Einsehen mit dieser Argumentation und schmetterte den Antrag ab. Damit haben Nestlés Bestrebungen zur fortlaufenden Wasserprivatisierung in den USA einen harten Dämpfer erhalten.

Auch andere Erlaubnisse müssen vielleicht überprüft werden

Die Richter erkannten an, dass Wasser lebensnotwendig ist, aber sie sahen keine wirkliche Notwendigkeit darin, den Menschen abgezapftes Wasser in Flaschen zu verkaufen, wenn doch genügend Leitungswasser zur Verfügung steht. Der Konzern leiste infolgedessen keinen wirklichen Dienst an der Allgemeinheit. Dieses Urteil könnte dazu führen, dass auch andere Wasser-Förderungserlaubnisse in Michigan noch einmal überprüft werden müssen. Der Umwelt-Anwalt Jim Olson, der Nestlé bereits mehrmals vor Gericht gegenüberstand, meint dazu: »Dieser Fall zeigt deutlich, wie weit private Wasservermarkter wie Nestlé und ähnliche Unternehmen gehen, im Versuch, öffentliches Wasser, die öffentliche Wasserversorgung sowie das Land und die Gemeinden, auf die sie Einfluss haben, zu privatisieren.« An diesem Verfahren war Olson nicht beteiligt, doch erscheint es symptomatisch für den aktuellen Kampf ums Wasser.


Quelle: theguardian.com

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